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„Kunststoffe leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energieeinsparung“

Interview mit Prof. Anton Karle zum Thema Elektromobilität

Seit Jahren wird an umweltfreundlichen und nachhaltigen Autos gearbeitet. Ein großer Schritt in diese Richtung sind elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Bis 2020 fordert die Politik eine Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Ob und wie dieses Ziel zu schaffen ist beantwortet Prof. Anton Karle, Hochschule Furtwangen und Autor des Grundlagenbuches „Elektromobilität“. Im Interview spricht er über die Elektromobilität von morgen, warum Kunststoffe dafür unverzichtbar sind und wie E-Mobilität unser Verhalten verändern wird.

Prof. Dr. Anton Karle ist Autor des Buches „Elektromobilität: Grundlagen und Praxis“ und lehrt an der Hochschule Furtwangen. Er war jahrelang als Entwicklungsingenieur in der Automobiltechnik tätig. Für ihn bergen Elektrofahrzeuge die Chance für eine nachhaltige Mobilität. Da sich Politik, Gesellschaft und Industrie darin national und international einig seien, ist für Karle diese Technologie unumkehrbar.

An elektrisch angetrieben Fahrzeugen wird seit Jahrzehnten intensiv geforscht, entwickelt und gebaut. Doch um die Elektromobilität wird auch politisch und gesellschaftlich gestritten. Von der Industrie lange hinausgezögert, will nun die Bundesregierung die E-Mobilität als Zukunftstechnologie durch gezielte Förderung vorantreiben. Neben den technischen Herausforderungen wird das Thema von unterschiedlichsten Einflüssen geprägt. Für eine sachgerechte Einschätzung müssen eine Reihe an Einzelkomponenten bedacht werden. In seinem Grundlagenbuch „Elektromobilität: Grundlagen und Praxis“ gibt Prof. Anton Karle einen technischen Überblick über Fahrzeuge sowie dessen Funktionsweisen. Darüber hinaus stellt er die unterschiedlichen politischen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Einflussfelder vor. Im Interview mit Kunststoffe.de teilt er exklusiv seine Gedanken über aktuelle sowie zukünftige Entwicklungen und zeigte, welche Rolle Kunststoffe dabei spielen können.

Kunststoffe.de: Herr Prof. Karle, schaffen wir das Ziel der Bundesregierung von 1 Mio. Elektrofahrzeugen bis 2020?

Prof. Anton Karle: Das wird mit Sicherheit sehr schwierig, auch wenn die Zulassungszahlen für Elektrofahrzeuge in den letzten Jahren progressiv steigen.
Ich halte die Zielerreichung trotzdem für möglich. Dabei sind es nicht die Verkaufszahlen für die reinen Elektrofahrzeuge, die den wesentlichen Anteil daran haben werden, sondern die Plug-In-Hybride, die verstärkt auf den Markt kommen. Der wesentliche Treiber für diese Entwicklung ist der von der EU vorgegebene CO2-Grenzwert für Fahrzeugflotten, der ohne eine vermehrte Elektrifizierung der Fahrzeugantriebe nicht zu schaffen ist. Das beeinflusst die Strategie der Fahrzeughersteller, die seit 2014 verstärkt attraktive Hybride anbieten, die vom Markt auch gut angenommen werden.

Kunststoffe.de: An welchen Stellen harkt es derzeit bei der Umsetzung der Elektromobilität in die Praxis?

Karle: Es gibt derzeit zwei wesentliche Hindernisse: Zum einen ist dies bei den reinen Elektrofahrzeugen die eingeschränkte Reichweite, obwohl die derzeit möglichen Reichweiten-km für die meisten Alltagsfahrten ausreichen. Das Problem sind aber die langen Fahrten, da auch das „Tanken“, selbst mit Gleichstromschnellladung, mindestens eine halbe Stunde dauert. Zum anderen sind es die hohen Anschaffungskosten. Die deutlich geringeren Verbrauchskosten wiegen diese derzeit noch nicht auf.

Kunststoffe.de: Wie wichtig sind alternative Werkstoffe und deren Verarbeitung wie beispielsweise Kunststoffe oder Faserverbundwerkstoffe für Elektrofahrzeuge?

Karle: Kunststoffe und Faserverbundwerkstoffe spielen eine wichtige Rolle. Insbesondere da sie imKonstruktionsbereich flexibel eingesetzt werden können und dadurch die durch die Elektrifizierung eröffneten Gestaltungsfreiheiten optimal nutzen. Natürlich ist auch das Potenzial zur weiteren Gewichtseinsparung durch Leichtbauwerkstoffe wichtig, wenngleich der Einfluss auf den Verbrauch bei Elektrofahrzeugen nicht so hoch ist wie bei den Verbrennern, da die von der Masse abhängige kinetische Energie durch Rekuperation bei den E-Fahrzeugen weitgehend zurückgewonnen werden kann.


Inhaltsverzeichnis
Literaturhinweis

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