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21.10.2015

Fachverband Kunststoffrecycling fordert neues Wertstoffgesetz

Jahrestagung des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung

Mehr Kunststoffrecycling und eine bessere Qualitätssicherung waren die zentralen Themen auf der Mitgliederversammlung des Fachverbands Kunststoffrecycling im Rahmen der Jahrestagung des bvse-Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung am 1. Oktober in Frankfurt. Mit Impulsvorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion wurde insbesondere die Zusammenarbeit der Dualen Systeme, Sortierer und Aufbereiter/Verwerter beleuchtet.

Für die Diskussionsrunde waren Dr. Gottfried Jung (Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz), Michael Wiener (Duales System Deutschland), Sascha Schuh (ELS GmbH) und Dr. Fritz Flanderka (Reclay Holding GmbH), bvse-Fachverbandsvorsitzender Dr. Dirk Textor, Professor Gilian Gerke (FH Magdeburg), bvse-Vizepräsident Herbert Snell (MulitPet und Multiport GmbH) und Rolf Augustin (Theo Augustin Städtereinigung GmbH & Co. KG) als politische und unternehmerische Stakeholder für die unterschiedlichen Bereiche entlang der Wertschöpfungskette im Kunststoffrecycling der Einladung des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling gefolgt.

Diskussion um vertraglich zugesagte Qualitäten beim Recycling

Ein Wertstoffgesetz mit deutlich höheren Recyclingquoten, sahen alle Beteiligte als einen wichtigen Lösungsbeitrag an. Wenn aus zeitlichen Gründen ein neues Wertstoffgesetz in dieser Legislaturperiode nicht mehr realisiert werden könne, solle zumindest eine 8. Novelle der Verpackungsverordnung mit höheren Recyclingquoten auf den Weg gebracht werden, so die Ansicht von Jung.

Grund zur Klage bieten aus Sicht der Recyclingunternehmen aber auch, dass sie nicht mit vertraglich zugesagten Qualitäten beliefert werden. Neutrale Sortieranalysen, die über Jahre hinweg durchgeführt wurden, belegen, dass der Anteil mangelhafter, nicht spezifikationsgerechter Mischkunststofflieferungen von 80% in 2012 auf rund 94% in 2013 weiter zugenommen hat. Dieser Anteil wird laut Gerke 2015 sogar noch übertroffen.

Materialprüfung und Reklamationen stellen für die Unternehmen einen hohen Zeit- und Kostenaufwand dar, der laut Recyclingunternehmen kaum zu leisten sei. Snell machte deutlich, dass er nicht nachvollziehen könne, warum vertraglich zugesicherte Qualitäten nicht geliefert werden könnten. Wir brauchen „Klasse und Masse“, ergänzte Textor. Dazu seien individuelle Qualitätsvereinbarungen zwischen Lieferanten und Verwertern notwendig. Ziel müsse es allerdings sein, dass die Qualitätsprüfung zukünftig beim Lieferanten stattfindet.

Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang auch das faktisch bestehende Oligopol der Dualen Systeme, dass es erschwere, Lieferungen mit mangelhaften Qualitäten zurückzusenden. Dass zur Sicherung stabiler Mengen und Qualitäten Handlungsbedarf besteht, räumten auch die anwesenden Vertreter der Dualen Systeme ein und signalisierten Gesprächsbereitschaft. Wiener betonte jedoch, dass sein Unternehmen ein stringentes Qualitätsmanagement mit über 1000 jährlichen Prüfeinsätzen durch mobile Prüfteams betreibe und dass mehr Qualitätsinitiative auch von anderen Marktbegleitern nötig sei.

Qualitätsverbesserung durch Zertifizierung?

Schuh sah es als erwiesen an, dass Qualitätssteigerungen und Sicherungsmaßnahmen nur als gemeinschaftliche Aufgabe unter den Systemen mit Prüf- und Rügepflicht der Verwerter umgesetzt werden könnten. Er zeigte sich offen für Überlegungen eine zentralen Prüf- und Beschwerdestelle der Dualen Systeme einzurichten und eine gemeinsame Qualitäteninitiative zu starten.

Die von den Recyclern aufgeworfene Frage nach einer Zertifizierung der Sortierbetriebe, die für Aufbereitungs- und Verwertungsunternehmen als standardisierter Industrieprozess längst der Fall ist, wies der Geschäftsführer eines Sortierbetriebs, Rolf Augustin, als „nicht zielführend“ zurück. Eine Zertifizierung zu Prozessqualitäten sage nichts über Qualitätsreinheiten aus. Erforderlich für bessere Qualitäten seien aus seiner Sicht vielmehr einheitliche Bedingungen für alle Sortierbetriebe und auskömmliche Preise.

zusätzliche Links
Unternehmensinformation

bvse - Bundesverband Sekundärroh- stoffe und Entsorgung e.V.

Fränkische Straße 2
DE 53229 Bonn
Tel.: 0228 98849-0
Fax: 0228 98849-99

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