nach oben
Meine Merkliste
Ihre Merklisteneinträge speichern
Wenn Sie weitere Inhalte zu Ihrer Merkliste hinzufügen möchten, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich bitte im Hanser Kundencenter.

» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.
Ihre Merklisten
Wenn Sie Ihre Merklisten bei Ihrem nächsten Besuch wieder verwenden möchten, melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich im Hanser Kundencenter.
» Sie haben schon ein Benutzerkonto? Melden Sie sich bitte hier an.
» Noch kein Benutzerkonto? Registrieren Sie sich bitte hier.

« Zurück

Ihre Vorteile im Überblick

  • Ein Login für alle Hanser Fachportale
  • Individuelle Startseite und damit schneller Zugriff auf bevorzugte Inhalte
  • Exklusiver Zugriff auf ausgewählte Inhalte
  • Persönliche Merklisten über alle Hanser Fachportale
  • Zentrale Verwaltung Ihrer persönlichen Daten und Newsletter-Abonnements

Jetzt registrieren
English
Merken Gemerkt
21.09.2018

Grabenkämpfe bei Maischberger

ARD-Kunststoff-Talk mit Plädoyer für Mehrfachverwendung

Mit den exemplarisch in Szene gesetzten 38 kg Plastikverpackungsmüll, die jeder Deutsche pro Jahr verursacht, eröffnete Sandra Maischberger am 19. September in der ARD ihre Talk-Sendung, die unter dem reißerischen Motto „Der Plastikfluch – billig, praktisch, gefährlich“ stand. Wobei mit den Adjektiven wohl das Plastik gemeint war, nicht der angebliche Fluch, der auf ihm nach Ansicht der Gastgeberin zu lasten scheint.

  • Kunststoff-Talk bei Maischberger vom 19. September 2018: Links Dr. Kerstin Etzenbach-Effers (Verbraucherzentrale NRW) mit dem Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke, rechts Dr. Rüdiger Baunemann (Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland e.V.) und dahinter Ursula Heinen-Esser (CDU-Umweltministerin NRW). Neben Moderatorin Sandra Maischberger ihr Kollege Ranga Yogeshwar (Moderator der WDR-Sendung Quarks) (© WDR/Max Kohr)

    Kunststoff-Talk bei Maischberger vom 19. September 2018: Links Dr. Kerstin Etzenbach-Effers (Verbraucherzentrale NRW) mit dem Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke, rechts Dr. Rüdiger Baunemann (Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland e.V.) und dahinter Ursula Heinen-Esser (CDU-Umweltministerin NRW). Neben Moderatorin Sandra Maischberger ihr Kollege Ranga Yogeshwar (Moderator der WDR-Sendung Quarks) (© WDR/Max Kohr)

  • 38 kg Verpackungsabfall pro Jahr: Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke bekam von Moderatorin Sandra Maischberger zum Auftakt der Sendung eine ausführliche Plattform für kritische Äußerungen zur Vermüllung der Umwelt (© Hanser/K. Klotz)

    38 kg Verpackungsabfall pro Jahr: Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke bekam von Moderatorin Sandra Maischberger zum Auftakt der Sendung eine ausführliche Plattform für kritische Äußerungen zur Vermüllung der Umwelt (© Hanser/K. Klotz)

  • Verpackungsärger: Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW hat zahlreiche Hinweise von Verbrauchern auf unnötige Verpackungen erhalten (© Hanser/K. Klotz)

    Verpackungsärger: Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW hat zahlreiche Hinweise von Verbrauchern auf unnötige Verpackungen erhalten (© Hanser/K. Klotz)

  • Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland e.V., war als „Verbandschef der Kunststoff-Erzeuger“ und „Kunststofflobbyist“ eingeladen (© WDR/Max Kohr)

    Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland e.V., war als „Verbandschef der Kunststoff-Erzeuger“ und „Kunststofflobbyist“ eingeladen (© WDR/Max Kohr)

  • Ranga Yogeshwar: Der Wissenschaftsjournalist warb für eine Mehrfachverwendung des „wunderbaren Werkstoffs“ Kunststoffe (© WDR/Max Kohr)

    Ranga Yogeshwar: Der Wissenschaftsjournalist warb für eine Mehrfachverwendung des „wunderbaren Werkstoffs“ Kunststoffe (© WDR/Max Kohr)

1 | 0

Anzeige - das nächste Bild wird in Sekunden angezeigt - überspringen

Anzeige - das nächste Bild wird in Sekunden angezeigt - überspringen

Hauptschuldige schnell identifiziert

Der Schauspieler und Umweltaktivist („Fische fressen Plastik, weil es nichts anderes mehr gibt.“) Hannes Jaenicke gestand durchaus ein, dass es sehr sinnvolle Kunststoffanwendungen gebe, aber das Einwegplastik, „das uns der Einzelhandel andreht“, gehöre verboten. Jaenicke wunderte sich auch, warum es keine Plastiksteuer gebe – das gehe alles viel zu langsam. Damit war neben dem Handel die Politik als zweiter Schuldiger an den Umweltproblemen identifiziert.

Mit Forderungen an den Verbraucher mache man es sich zu einfach, nahm Jaenicke dagegen die Konsumenten in Schutz. Naturgemäß sah auch Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale NRW angesichts von doppelt eingepackten Schokoriegeln den schwarzen Peter nicht bei den Käufern. Denn sie lehnen laut einer von ihr zitierten Umfrage Kunststoffverpackungen zu über 90 % ab. Insbesondere doppelte Verpackungen, etwa von Süßigkeiten, geben immer wieder Anlass für „Verpackungsärger“, da es dafür scheinbar keine Gründe gibt: „Hersteller haben immer eine Erklärung, aber nötig ist es nicht“, entschied die Chemikerin.

„Industrie“ und Politik als Zielscheibe für Kritik

Da aber der Handel in der Diskussionsrunde gar nicht vertreten war, war Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer PlasticsEurope Deutschland e.V., nach kurzer Zeit die Adresse für bohrende Fragen, Hinweise auf Missstände und ungelöste Probleme oder Unmutsbekundungen, soweit es nicht um politische Versäumnisse ging. Er sollte beispielsweise erklären, warum Bananen in Kunststofffolien verpackt würden, warum trotz schlechter Sortierbarkeit Produkte aus schwarz eingefärbten Kunststoffen im Handel zu finden sind oder warum die Industrie nicht schon längst mehr Lösungen für hundertprozentiges Kunststoffrecycling wie beispielsweise beim Frosch-PE-Beutel gefunden hat.

Sein Hinweis, dass zur Lösung solcher Fragen auch die Hersteller von Produkten und Verpackungen, Abfüller, Handel und Recycler gebraucht würden, verhallte allerdings relativ ungehört – Komplexität hat es in Talkshows bekanntlich ja nicht leicht. Mit Baunemann saß die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) auf der „Anklagebank“ und warb für Selbstverpflichtungen im Gegensatz zu Verboten. Als Politikerin wolle sie überzeugen, nicht bevormunden.

Mehrfachverwendung statt Entscheidung über Pro oder Contra

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar warf ein, dass Freiwilligkeit im Umgang mit Kunststoffabfall nicht funktioniere, weil nun mal jeder Mensch bequem sei. Zudem könne die Gesellschaft mit Verboten – beispielsweise im Straßenverkehr – auch gut leben.

Yogeshwar sah jedenfalls die Zeit verrinnen: Da Kunststoff „ganz schwer abbaubar ist, häufen wir unsere Sünden an“. Dabei gehe es bei diesem „wunderbaren Werkstoff“ gar nicht um eine Entscheidung Pro oder Contra, sondern um die Mehrfachverwendung.

Nachdem die Diskussion lange Zeit hin- und hergewogt war und bis zur Frage abdriftete, ob die Deutschen in einer Lobby- oder Demokratie leben, konnte der Fernsehzuschauer in der letzten Viertelstunde mit einem Schwenk zum Mikroplastik noch einmal etwas lernen. Der relativ kleine, aber eigentlich leicht vermeidbare Anteil von Mikroplastik, das über Kosmetika in die Umwelt gelangt, war schnell abgehandelt, auch wenn es damit nicht aus der Welt ist. Dass sich der ungleich größere Beitrag des Reifenabriebs – laut Yogeshwar etwa ein Drittel – evtl. durch eine Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Autoreifen verringern lassen könnte, brachte der Quarks-Moderator als Handlungsoption ebenso ins Gespräch wie Verbesserungen an Kläranlagen.

Mikroplastik in der Nahrungskette

Mit der Zuschaltung des Toxikologen Prof. Gilbert Schönfelder von der Charité in Berlin wurde es dann noch wissenschaftlich, als es um die Frage ging, welcher Anteil des Mikroplastiks, das Fische möglicherweise aufnehmen, am Schluss überhaupt auf dem Teller landet. Allerdings lassen heutige Methoden der Analytik noch keinen genauen Blick ins Fleisch zu, und unklar ist, ob Teilchen nicht irgendwann klein genug sind, um in Zellen einzudringen und sich in Organen anzureichern.

Bei aller Vorsicht tendierte der Fachmann zu der Bewertung, dass der Magen-Darm-Trakt der Meeresbewohner eine natürliche Barriere darstelle, das meiste Mikroplastik also wohl nicht ins Fischfleisch gelange. Derzeit kann man somit davon ausgehen, dass der Anteil an Mikroplastik, den wir beim Verzehr von Meerestieren aufnehmen, so gering ist, dass er keine gesundheitlichen Effekte auszulösen vermag.

Auch die Funde von Mikroplastik in Mineralwasser rückte Prof. Schönfelder in ein neues Licht: Zumindest diskutieren Wissenschaftler immer noch darüber, ob Unzulänglichkeiten bei der Aufbereitung der Proben zu „false positives“ geführt haben könnten, also zu vermeintlichen Mikroplastik-Funden, die im Mineralwasser selbst nicht vorhanden waren.

Dr. Karlhorst Klotz, Redaktion

Weiterführende Information
  • 21.09.2018

    Erst die Lüge, dann der Fluch

    Meinung

    In einer Talkshow stand der „Plastikfluch“ auf dem Programm. „Billig, praktisch, gefährlich“ versuchte der Untertitel zu präzisieren, meinte damit wohl aber mehr Kunststoffverpackungen, obwohl die Beschreibung ja für den Fluch mindestens ebenso zutrifft.   mehr

  • 11.09.2018

    100% recycelbare Verpackung

    Polyethylen-Beutel mit abnehmbarer Banderole

    Der vollständig recycelbare Monomaterial-Beutel von Mondi und Werner & Mertz wird ab 2019 die bisherigen flexiblen Verpackungen für die Produkte der Marke Frosch ersetzen.   mehr

  • Eine Lanze für Kunststoffe brechen
    Kunststoffe 06/2018, Seite 18 - 20

    Eine Lanze für Kunststoffe brechen

    PlasticsEurope berichtet über die EU-Kunststoffstrategie und das Image von Kunststoffen

    Ein Spannungsfeld aus politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen hat sich um die Kunststoffindustrie gelegt. Beim Fachpressetag der...   mehr

  • 29.05.2018

    Drohendes Verbot von Einwegartikeln

    Branchenverbände reagieren

    Die Industrieverbände PlasticsEurope, GKV und IK bezweifeln eine Wirksamkeit für Verbote und mahnen mehr Aufklärung und verbesserte Sammel- und Verwertungslösungen an.   mehr

  • 13.04.2018

    Kunststoffimage auf dem Prüfstand

    Was die Branche in Europa 2018 bewegt

    Der Verband PlasticsEurope stellt auf dem Fachpressetag der Central Region die EU-Kunststoffstrategie und die damit einhergehenden Herausforderungen im Recycling in den Mittelpunkt.   mehr

  • © Fotolia.com/lassedesignen

    Warum machen Kunststoffe Angst?

    Ein Erklärungsansatz vom Soziologen Prof. Ortwin Renn

    Für die Bevölkerung sind Risiken und Gefahren im Zusammenhang mit Kunststoffen und Chemieindustrie schwer einschätzbar. Das führt zu polarisierenden Diskussionen, bei denen die Industriebranche mit reinen Fakten und Zahlen nicht immer überzeugen kann. Warum, erklärte Prof. Ortwin Renn auf dem 25. Stuttgarter Kunststoffkolloquium.   mehr

keine Kommentare
Diesen Artikel kommentieren





Über die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten zum Zweck der Kommentierung von Inhalten informiert Sie unsere Datenschutzerklärung.
Newsletter

Sie wollen keine Kunststoffe-News verpassen?
Hier kostenlos anmelden


Beispiel-Newsletter ansehen

Aktuelle Umfrage Alle Umfragen
Kunststoffe im Automobil

Zum Special

Kunststoffe Basics