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20.08.2020

GKV: Bilanz für das 1. Halbjahr 2020

Erste Anzeichen einer Trendwende

Die erfolgsverwöhnte Branche der kunststoffverarbeitenden Industrie muss im ersten Halbjahr einen deutlichen Rückgang verkraften. Dennoch scheint die Zuversicht in den Chefetagen langsam zurückzukehren.

Der Juni, der wie im Vorjahr die Pfingstferien beinhaltete, lief für die kunststoffverarbeitende Industrie überraschend gut, dennoch musste die Branche im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzminus von 4,8 % hinnehmen. Zwar ist die Lage insgesamt nach Aussage der Unternehmen schlecht bis sehr schlecht. Dennoch überrascht es vor diesem Hintergrund nicht, dass nach der mehrmonatigen, hauptsächlich durch die Covid-19-Pandemie bedingten Talfahrt mit dem ersten Anzeichen einer Trendwende (Grafik) der Optimismus allmählich wieder zurückkehrt und in den Chefetagen überwiegend die Meinung vorherrscht, dass es nicht mehr schlimmer kommen, sondern wieder aufwärts gehen wird.

Der Umsatzverlauf im ersten Halbjahr macht die Auswirkungen des Lockdowns deutlich. Für das zweite Halbjahr rechnet der GKV mit einer leichten Erholung  
Quelle: GKV,  © Hanser

Der Umsatzverlauf im ersten Halbjahr macht die Auswirkungen des Lockdowns deutlich. Für das zweite Halbjahr rechnet der GKV mit einer leichten Erholung
Quelle: GKV, © Hanser

Im Schnitt zehn Prozent unter dem Vorjahr

Verpackung und Bau sind vergleichsweise robust, technische Teile und Konsum im Stresstest.

Das erste Halbjahr schloss mit einem Branchenumsatz von 30 Mrd. EUR und liegt damit um 9,6 % unter dem Vorjahr. Die Zahlen des ersten Halbjahrs sind aber durchaus differenziert zu betrachten (Tabelle). Die Hersteller von Kunststoffverpackungen können sich trotz geringerer Nachfrage nach Industrieverpackungen ebenso zu den Gesunden zählen wie die Bauindustrie – beide stehen mit einem Rückgang von 3,1 % vergleichsweise gut da.

Schwer gebeutelt wurden im ersten Halbjahr besonders die Hersteller von technischen Teilen und Konsumgütern. Quelle: GKV

Schwer gebeutelt wurden im ersten Halbjahr besonders die Hersteller von technischen Teilen und Konsumgütern. Quelle: GKV

Das wird umso deutlicher, wenn man nur die Juni-Werte betrachtet, in der die Kunststoffverarbeiter mit der Bauindustrie 3,2 % mehr Umsatz erwirtschafteten als im Vorjahr. Die Verpackungsbranche konnte in diesem Monat die Umsatzerlöse um rund 1 % steigern. Für beide Segmente ist das umso bemerkenswerter, als die hier verarbeiteten Kunststoffe in den letzten Monaten deutlich im Preis nachgegeben haben und mit ein Grund für die insgesamt zurückgegangenen Umsätze sein dürften.

Im Konsum zeigen sich deutlich die Spuren der Ausgangsbeschränkungen, Geschäftsschließungen und Kurzarbeit, sodass im ersten Halbjahr der Umsatz um 15,1 % zurückging. Im Vergleich zum April, der mit minus 30 % schlimm war, fühlt sich der Rückgang im Juni im Vergleich zum Vorjahreswert mit minus 11,3 % schon fast wieder gut an.

Davon sind die Hersteller von technischen Teilen noch ein gutes Stück entfernt. Der Lockdown der Fahrzeugindustrie und das erst langsame Wiederanfahren der Automobilwerke führten zu einer akuten Nachfrageschwäche für technische Teile. Fehlende Neuprojekte brachten bereits 2019 dem Werkzeugbau einen Umsatzrückgang um 8,9 % ein. Dies führte neben der Nachfrageschwäche zu geringeren Investitionen in neue Anlagen und belastet die Abnehmerbranche des Maschinenbaus, der jüngst von einem Auftragsrückgang bis Juni 2020 um 20 % berichtete.

Mit diesen Vorgaben überrascht es nicht, dass im ersten Halbjahr wertmäßig 18,1 % weniger technische Teile abgesetzt werden konnten. Auch der Juni vermittelt mit einem Rückgang von 14,3 % noch keine echte Aufbruchsstimmung.

Phantasien marktmächtiger Abnehmer

GKV-Präsident Roland Roth: „Die Branche braucht derzeit keine zusätzlichen Belastungen aus der Politik, sondern vielmehr Weitsicht, um den erwarteten Umsatzrückgang von rund 8 % ohne Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und Unternehmen gut verkraften zu können.“  © GKV

GKV-Präsident Roland Roth: „Die Branche braucht derzeit keine zusätzlichen Belastungen aus der Politik, sondern vielmehr Weitsicht, um den erwarteten Umsatzrückgang von rund 8 % ohne Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und Unternehmen gut verkraften zu können.“ © GKV

Der VDA berichtet zwar von steigenden Produktionszahlen, die im Juli nur noch 6 % unter dem Vorjahr lagen, und einem Auftragsindex, der im Juni nahezu das Vorjahresniveau erreichte, insgesamt reicht das jedoch (noch) nicht, um die Lage der Zulieferindustrie wesentlich zu verbessern. So werden am Jahresende Automobilzulieferer Umsatzrückgänge von bis zu 30 % verkraften müssen – im Segment der technischen Kunststoffteile dürfte das Minus bei ca. 14 % liegen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Zulieferer erteilt vor dem Hintergrund der deutlich zurückgegangenen Abnahmemengen den Phantasien einzelner marktmächtiger Abnehmer nach Preisreduzierungen eine klare Absage. Vielmehr muss die Branche unter den erschwerten Bedingungen sicherstellen, dass die Lieferketten intakt bleiben, damit, falls die ausgesetzten Insolvenzkriterien am 1. Oktober 2020 wieder gelten sollten, keine Lücken entstehen. Dass die Situation jetzt schon fragil ist, zeigt eine GKV/TecPart-Umfrage, wonach nur noch 70 % der Kunden ihre Rechnungen pünktlich bezahlen.

Wechselhafte Aussichten

Wenig bessere Perspektiven werden für die Hersteller von Konsumgütern gesehen. Zwar ist die allgemeine Kauflaune durch die Lockerung der Auflagen wieder gestiegen, dennoch dürften viele Konsumenten aufgrund der kurzarbeitsbedingten Einkommensreduzierung mit ihren Ausgaben zurückhaltend sein. Ein Rückgang aufs Jahr gesehen um 10 % würde eine deutliche Verbesserung der aktuellen Situation bedeuten.

Für die Baubranche ist zu erwarten, dass die Lage ungemütlicher wird, weil viele Industrie-Bauvorhaben verzögert zu Ende gebracht und neue Projekte vermehrt verschoben werden. Insgesamt dürfte der Rückgang mit erwarteten 4 % verkraftbar sein. Einzig für die Verpackungsbranche dürfte das Jahr mit einem leichten Minus um die 2 bis 3 % vergleichsweise versöhnlich enden, wenn da nicht die fortwährenden Belastungen für die Branche aus der Politik und der Öffentlichkeit wären.

Die von der Europäischen Union geplante Plastiksteuer auf nicht recycelte Kunststoffabfälle von 80 Cent je Kilogramm zwingt die Wirtschaft auf für den Klimaschutz kontraproduktive Wege, beispielsweise zu energieintensivem Waschen kontaminierter Verpackungen für das Recycling oder zur Verwendung von energetisch und zum Teil ökologisch schlechteren Verpackungsalternativen aus Glas, Metall oder Papier.

Das Recycling an sich ist zu begrüßen und in Deutschland weiter auf einem Wachstumspfad, auch wenn hier das erste Halbjahr deutliche Einschnitte hinterlassen hat – doch es könnte noch schlimmer kommen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass viele Unternehmen, die bisher von der EEG-Umlage befreit waren, durch die Auftragsrückgänge in diesem Jahr die notwendigen Verbrauchsschwellenwerte nicht mehr erreichen und deshalb diese Vergünstigung verlieren. Dies könnte insbesondere Kunststoffrecycler, Extrudeure und Compoundeure treffen und somit deren Wirtschaftlichkeit in Frage stellen. Hier ist die Politik aufgerufen, eine Übergangsregelung oder besser noch die Novellierung des EEG-Gesetzes voranzutreiben und sich dabei für die Beseitigung des scharfen Schnitts einzusetzen.

Politik mit Augenmaß

Ebenso sollte die Politik Augenmaß beim geplanten Arbeitsschutz-Kontroll-Gesetz walten lassen. Arbeitsteilung ist in der deutschen Industrie ein wichtiger Erfolgsfaktor, der nicht wegen des Missbrauchs einzelner komplett zu verurteilen ist. So nutzen viele Firmen für Logistik, IT wie auch zum Bedienen von Auftragsspitzen externe Dienstleister und halten sich dabei an bestehende Verhaltenskodices, wie beispielsweise den des GKV. Der Präsident des GKV, Roland Roth, mahnt: „Die Branche braucht derzeit keine zusätzlichen Belastungen aus der Politik, sondern vielmehr Weitsicht, um den erwarteten Umsatzrückgang von rund 8 % in diesem Jahr ohne Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und Unternehmen gut verkraften zu können.“

Der Autor
Dipl.-Ing. Michael Weigelt ist Geschäftsführer des GKV/TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V. und verantwortlich für die statistische Auswertung der Branche im Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV); michael.weigelt <AT> tecpart.de .

Weiterführende Information
  • 13.08.2020

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  • 28.02.2020

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Unternehmensinformation

GKV - Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V.

Kaiser-Friedrich-Promenade 43
DE 61348 Bad Homburg
Tel.: 06172 9266-61
Fax: 06172 9266-74

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