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01.11.2017

Recyclingmaschinen-Pionier verstorben

Vom Lokomotivbau-Lehrling zum Konstrukteur und Unternehmer

Nach längerer Krankheit, aber doch überraschend, ist am 14. Oktober 2017 Ing. Helmuth Schulz mit 71 Jahren verstorben. Er hatte sich um das wirtschaftliche und qualitativ hochwertige Kunststoffrecycling verdient gemacht. Mehr als 60 Patente und drei Maschinenbauunternehmen sind mit seinem Namen verbunden.

Seine Berufslaufbahn begann der geborene Wiener weit abseits des Kunststoffs als Mechaniker-Lehrling beim Lokomotivenbauer Simmerring-Graz-Pauker in Wien-Floridsdorf. Bald zog er mit seinen technischen Vorschlägen die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich und wurde rasch zum technischen Zeichner befördert. Parallel dazu entschloss er sich, im Abendstudium die Maschinenbau-Ausbildung am TGM-Wien nachzuholen.

Über APM zu Cincinnati Milacron und Krauss-Maffei

Mit der Kunststofftechnik kam er erstmals in Kontakt, als er 1969 mit seinem damaligen Vorgesetzten zum Wiener Extruderbauer APM (Anger Plastic Maschinen OHG) zu wechseln. So begann er im Alter von 23 Jahren Schnecken und Extrudergetriebe auszulegen und fiel auch dabei mit seiner technischen Kreativität auf. Als Konstruktionsgruppenleiter konstruierte er mit dem Doppelschneckenextruder A2-80 einen der großen Verkaufserfolge der APM, die später von Cincinnati Milacron übernommen wurde.

1971 wechselte Schulz zur Wiener Dependance des Münchner Krauss-Maffei Kunststoffmaschinenbaus, die sich auf Doppelschneckenextruder konzentrierte. In diese Zeit fielen seine Beiträge zur Konstruktion des „3-Wellen-Getriebes mit Tandemritzeln“, mit dem sich die Drehmomentübertragung auf die Schnecken wesentlich erhöhen ließ.

Ing. Helmuth Schulz, 27. Juli 1946 – 14. Oktober 2017 (© MAS)

Ing. Helmuth Schulz, 27. Juli 1946 – 14. Oktober 2017 (© MAS)

Als 1974 die Krauss-Maffei Extrusionstechnik im damals neu errichteten Entwicklungszentrum in Asten bei Linz/Österreich zusammengefasst wurde, ging Schulz mit und kam dort erstmals mit Recycling in Kontakt. Dieser Maschinenbereich war als Folge der damaligen Ölkrise in Form von Agglomerierern („Zerklomaten“) ins Programm aufgenommen worden. In diesem Unternehmensbereich, den Schulz ab 1977 leitete, wurde erstmals auch die Idee entwickelt, einen Agglomerierer und einen Extruder zu kombinieren, die später als Erema-System bekannt wurde. Obwohl das Konzept damals patentiert wurde, verfolgte Krauss-Maffei diese Technologie nicht weiter.

Mit der Zurückverlegung der Krauss-Maffei-Austria in die Münchner Zentrale im Jahr 1980 wechselte Schulz als technischer Leiter zur Österreichischen Schiffswerften AG (Öswag) in deren neu eingerichteten Kunststoffmaschinenbau in Linz. Dorthin nahm er die Idee der Schneidverdichter-Extruder-Kombination mit, entwickelte sie weiter und meldete den „Retruder“ zusammen mit Helmut Bacher zum Patent an. Ende 1980 war die erste Anlage funktionsfähig, der in den zwei Folgejahren weitere 30 Maschinen folgten.

Auf eigenen Beinen mit Erema, MAS und Ekuma

1983 gründete Schulz mit den Kollegen Helmut Bacher und Georg Wendelin das Unternehmen Erema um Recyclingmaschinen zu bauen. In mehreren Schritten wurde das Recyclingsystem um Peripheriekomponenten erweitert, z.B. Rückspül-Siebwechsler für die Kunststoff-Schmelze oder die Heißabschlag-Granulierung mit patentierter Wassereinspritzung bzw. die Kombination aus Entgasung und Filtrierung.

Nach 23 Jahren schied Schulz im Zuge eines Generationswechsels aus „seinem“ Unternehmen aus und gründete im Alter von 60 Jahren nochmals ein eigenes Unternehmen. Die „MAS Maschinen- und Anlagenbau Schulz GmbH“ sollte neuartige Konzepte für die Extrusion verwirklichen, insbesondere den von Schulz entwickelten und patentierten konischen gleichläufigen Doppelschneckenextruder, dessen Kennzeichen die hohe Förder- und Homogenisierungsleistung, eine besonders schonende Materialbehandlung und ein stabiler Massedruck sind. Weitere Entwicklungen waren ein neuartiges kontinuierliches Scheibenfiltersystem für Kunststoffschmelzen und eine wasserlose Trockenreinigung für Folienabfälle, die sein Unternehmen Ekuma umsetzte.

Zukunft der Schulz-Unternehmen

Helmuth Schulz hinterlässt mit MAS ein Unternehmen, dessen Angebot konische gleichlaufende Doppelschnecken-Extruder in sechs Baugrößen für Ausstoßleistungen von 20 bis 2000 kg/h, Schmelzefilter in vier Baugrößen für einen Schmelzedurchsatz von 300 bis 4000 kg/h und Trockenreiniger in zwei Baugrößen für 600 bis 1600 kg/h umfasst. Ekuma und MAS gehen vollständig an seine Tochter Katharina Schulz über. Die beiden Unternehmen werden operativ vom bereits etablierten Managementteam weitergeführt, so dass ihre Kontinuität gesichert ist.

„Mit Helmuth Schulz verliert die Kunststoffwelt einen wahren Pionier, dessen Ideen die Kunststoffverarbeitung noch viele Jahre beeinflussen werden“, teilte MAS-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Martin Schnabl mit. (kk)

Weiterführende Information
Unternehmensinformation

M-A-S Maschinen- und Anlagenbau Schulz GmbH

Hobelweg 1
AT 4055 PUCKING
Tel.: +43 7229 78999-0
Fax: +43 7229 78999-10

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