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07.02.2020

Negativ-Preis „Plagiarius" 2020

Schmäh-Preis rückt Schäden durch Plagiate und Fälschungen ins öffentliche Licht

Der vom Designer Prof. Rido Busse ins Leben gerufene Negativ-Preis „Plagiarius“ wurde am 7. Februar 2020 auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ zum 44. Mal verliehen. Von den 23 Einsendungen erhielten 2020 vier Produkte den Hauptpreis (der dritte Preis wurde zweimal vergeben), und gleich weitere sechs Einreichungen erhielten die gleichrangige Auszeichnung.

  • In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen die Preisträger 2020 des Negativ-Preises „Plagiarius". Bei allen gezeigten Bildern befindet sich das Original auf der linken Seite, die Plagiate/Fälschungen sehen Sie auf der rechten Bildseite (© Aktion Plagiarius e.V.)

    In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen die Preisträger 2020 des Negativ-Preises „Plagiarius". Bei allen gezeigten Bildern findet sich das Original auf der linken Seite abgebildet, die Plagiate/Fälschungen sehen Sie auf der rechten Bildseite (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: 1. Preis für Küchen-Schneidegerät „Nicer Dicer Quick" Original (links): Genius GmbH, Limburg, Deutschland; Fälschung (rechts): Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China
Der Fälscher verletzt diverse gewerbliche Schutzrechte von Genius. Er kopiert nicht nur das Produkt- und Verpackungsdesign, sondern auch den Firmennamen „Genius“, den Produktnamen „Nicer Dicer Quick“ sowie Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung – nur das Genius-Logo wurde hier wegretuschiert. Die billigen Materialen spiegeln die minderwertige Qualität wider: Die Schneidklingen sind eher stumpf und nicht so fest verankert – es besteht ein Risiko des Herausbrechens und somit Verletzungsgefahr (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: 1. Preis für Küchen-Schneidegerät „Nicer Dicer Quick" Original (links): Genius GmbH, Limburg, Deutschland; Fälschung (rechts): Ningbo A-Biao Plastic Industry & Trade Co., Ltd., VR China Der Fälscher verletzt diverse gewerbliche Schutzrechte von Genius. Er kopiert nicht nur das Produkt- und Verpackungsdesign, sondern auch den Firmennamen „Genius“, den Produktnamen „Nicer Dicer Quick“ sowie Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung – nur das Genius-Logo wurde hier wegretuschiert. Die billigen Materialen spiegeln die minderwertige Qualität wider: Die Schneidklingen sind eher stumpf und nicht so fest verankert – es besteht ein Risiko des Herausbrechens und somit Verletzungsgefahr (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: 2. Preis für Kayser Sahnekapseln Original (links): Kayser Berndorf GmbH, Wien, Österreich; Fälschung (rechts): Vertrieb: Female Foods BV, Woerden, Niederlande (liquidiert)Ein belgischer Händler hatte die Fälschungen „im guten Glauben“ erworben Der Fälscher verletzt die Bildmarke „KAYSER“ und kopiert 1:1 Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet; das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: 2. Preis für Kayser Sahnekapseln Original (links): Kayser Berndorf GmbH, Wien, Österreich; Fälschung (rechts): Vertrieb: Female Foods BV, Woerden, Niederlande (liquidiert) Ein belgischer Händler hatte die Fälschungen „im guten Glauben“ erworben. Der Fälscher verletzt die Bildmarke „KAYSER“ und kopiert 1:1 Produkt und Verpackung. Die Fälschungen erfüllen keinerlei Qualitäts- und Sicherheitsstandards: Die Kappe einer gefälschten Kapsel ist bei normalen Lagerbedingungen und ohne Fremdeinwirkung explodiert. Die Kapseln sind innen verrostet; das Gas in den Kapseln ist verunreinigt und nicht lebensmittelecht (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: 3. Preis für Julius-K9 Hundegeschirr „IDC Powerharness" Original (links): JULIUS-K9 Zrt., Szigetszentmiklós, Ungarn; Fälschung (rechts): Shenzhen Dog Favors Pet Supplies Co., Ltd., VR China Der Fälscher kopiert 1:1 das Produkt sowie die Marke „JULIUS-K9“. Die minderwertigen Materialien und Reflektoren wirken sich negativ auf Tragekomfort, Sichtbarkeit und Langlebigkeit aus. JULIUS-K9-Fälschungen werden oftmals über eCommerce Plattformen (u.a. Alibaba.com) und Social Media vertrieben. Die JULIUS-K9-Firmengruppe hat internationalen Design- und Markenschutz und setzt diesen konsequent gegen Fake-Hersteller und -Händler durch (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: 3. Preis für Julius-K9 Hundegeschirr „IDC Powerharness" Original (links): JULIUS-K9 Zrt., Szigetszentmiklós, Ungarn; Fälschung (rechts): Shenzhen Dog Favors Pet Supplies Co., Ltd., VR China Der Fälscher kopiert 1:1 das Produkt sowie die Marke „JULIUS-K9“. Die minderwertigen Materialien und Reflektoren wirken sich negativ auf Tragekomfort, Sichtbarkeit und Langlebigkeit aus. JULIUS-K9-Fälschungen werden oftmals über eCommerce Plattformen (u.a. Alibaba.com) und Social Media vertrieben. Die JULIUS-K9-Firmengruppe hat internationalen Design- und Markenschutz und setzt diesen konsequent gegen Fake-Hersteller und -Händler durch (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: 3. Preis für (Laptop-)Rucksack „Wenger Ibex“ Original (links): Wenger S.A., Delémont, Schweiz; Fälschung (rechts): Herstellung: VR China; Vertrieb: Swiss Bag, Jerusalem, Israel Der chinesische Hersteller hat Design und Konstruktion des Originals 1:1 übernommen. Er vertreibt die Plagiate über ein weltweites Distributionsnetz, u.a. in Israel. Der Markenname „Wenger“ wird nicht verletzt, aber die von Wenger S.A. geschützte Wenger-Emblem-Bildmarke (Kreuz auf einem Quadrat). Swiss Bag vertreibt in seinem Shop und auf seiner Website parallel Wenger-Originalprodukte und Wenger-Plagiate (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: 3. Preis für (Laptop-)Rucksack „Wenger Ibex“ Original (links): Wenger S.A., Delémont, Schweiz; Fälschung (rechts): Herstellung: VR China; Vertrieb: Swiss Bag, Jerusalem, Israel Der chinesische Hersteller hat Design und Konstruktion des Originals 1:1 übernommen. Er vertreibt die Plagiate über ein weltweites Distributionsnetz, u.a. in Israel. Der Markenname „Wenger“ wird nicht verletzt, aber die von Wenger S.A. geschützte Wenger-Emblem-Bildmarke (Kreuz auf einem Quadrat). Swiss Bag vertreibt in seinem Shop und auf seiner Website parallel Wenger-Originalprodukte und Wenger-Plagiate (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für Verpackungsdesign „maria sole Caffè Espresso“ Original (links): Herstellung / Röstung: Sizilien; Exklusiver Inhaber: Caffè Cultura GmbH, Düsseldorf, Deutschland; Fälschung (rechts): Röstung und Vertrieb: Torrefazione S. Francesco SAS (Mondial Caffè), Bastia Umbra, Italien Caffè Cultura besitzt seit 2016 die Markenrechte an der seit 2008 eingetragenen Marke „MariaSole“ sowie die exklusiven Nutzungsrechte für das bekannte Verpackungsdesign. Der vorherigen Lizenznehmerin wurden alle Rechte an der Marke entzogen und die betrügerische Nutzung der alten Produktkennungen (EAN) für die nachfolgend an den Markt gebrachten Plagiate untersagt. Trotzdem hat die Rösterei Torrefazione S. Francesco S.A.S. Plagiate unter der alten Marke „MariaSole“ und ebenso unter der Bezeichnung „MariaGrazia“ weiter vertrieben. Um eine Abgrenzung zu den Plagiaten vorzunehmen, musste Caffè Cultura sein Verpackungsdesign ändern, obwohl es alle gewerblichen Schutzrechte für das bekannte Design besitzt (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für Verpackungsdesign „maria sole Caffè Espresso“ Original (links): Herstellung / Röstung: Sizilien; Exklusiver Inhaber: Caffè Cultura GmbH, Düsseldorf, Deutschland; Fälschung (rechts): Röstung und Vertrieb: Torrefazione S. Francesco SAS (Mondial Caffè), Bastia Umbra, Italien Caffè Cultura besitzt seit 2016 die Markenrechte an der seit 2008 eingetragenen Marke „MariaSole“ sowie die exklusiven Nutzungsrechte für das bekannte Verpackungsdesign. Der vorherigen Lizenznehmerin wurden alle Rechte an der Marke entzogen und die betrügerische Nutzung der alten Produktkennungen (EAN) für die nachfolgend an den Markt gebrachten Plagiate untersagt. Trotzdem hat die Rösterei Torrefazione S. Francesco S.A.S. Plagiate unter der alten Marke „MariaSole“ und ebenso unter der Bezeichnung „MariaGrazia“ weiter vertrieben. Um eine Abgrenzung zu den Plagiaten vorzunehmen, musste Caffè Cultura sein Verpackungsdesign ändern, obwohl es alle gewerblichen Schutzrechte für das bekannte Design besitzt (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für Kehrmaschine „haaga 677 Profi” (mit Akku-Antrieb)“ Original (links): Haaga Kehrsysteme GmbH, Ebersbach, Deutschland; Fälschung (rechts): Artred Smart Tech Co., Ltd., VR China Design und Technik der Profi-Kehrmaschine wurden kopiert. Der Gesamteindruck ist identisch, es besteht Verwechslungsgefahr. Das Plagiat wurde auf einer Messe in den USA entdeckt. Versuche von Haaga, über Dritte aus China, den USA und Russland an ein Muster des Plagiats zu kommen, blieben bislang erfolglos (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für Kehrmaschine „haaga 677 Profi” (mit Akku-Antrieb)“ Original (links): Haaga Kehrsysteme GmbH, Ebersbach, Deutschland; Fälschung (rechts): Artred Smart Tech Co., Ltd., VR China Design und Technik der Profi-Kehrmaschine wurden kopiert. Der Gesamteindruck ist identisch, es besteht Verwechslungsgefahr. Das Plagiat wurde auf einer Messe in den USA entdeckt. Versuche von Haaga, über Dritte aus China, den USA und Russland an ein Muster des Plagiats zu kommen, blieben bislang erfolglos (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für Taucherlampe „Ledlenser D14.2" Original (links): Ledlenser GmbH & Co. KG, Solingen, Deutschland; Fälschung (rechts): Ein deutscher eBay-Händler wurde abgemahnt, er gab Restbestände heraus und nannte seinen Lieferanten; Vertrieb: u.a. über Stels Solutions Sp. z o.o., Polen und SATIS, Polena Der Nachahmer kopiert nicht nur das geschützte Design inkl. 3D-Marke, sondern auch das Taucher-Piktogramm. Der sehr niedrige Preis spiegelt sich in billigen Materialien (Plastik statt Edelstahl), einem nicht ausreichend dimensionierten Kühlkörper und minderwertigen LEDs sowie mangelhafter Funktionalität wider: Trotz 2 Einstellmöglichkeiten für die Lichtstärke ist das Ergebnis beim Plagiat in beiden Positionen das gleiche schwache Licht (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für Taucherlampe „Ledlenser D14.2" Original (links): Ledlenser GmbH & Co. KG, Solingen, Deutschland; Fälschung (rechts): Ein deutscher eBay-Händler wurde abgemahnt, er gab Restbestände heraus und nannte seinen Lieferanten; Vertrieb: u.a. über Stels Solutions Sp. z o.o., Polen und SATIS, Polena Der Nachahmer kopiert nicht nur das geschützte Design inkl. 3D-Marke, sondern auch das Taucher-Piktogramm. Der sehr niedrige Preis spiegelt sich in billigen Materialien (Plastik statt Edelstahl), einem nicht ausreichend dimensionierten Kühlkörper und minderwertigen LEDs sowie mangelhafter Funktionalität wider: Trotz 2 Einstellmöglichkeiten für die Lichtstärke ist das Ergebnis beim Plagiat in beiden Positionen das gleiche schwache Licht (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für Rasierer „Futur 700" Original (links): MERKUR Stahlwaren GmbH & Co. KG, Solingen, Deutschland; Fälschung (rechts): Hersteller: Guangzhou Ming Shi Shaver Ltd., VR China; Vertrieb: Chinesischer Händler über amazon.de Das Plagiat wurde auf Amazon.de in Text und Bild als MERKUR Rasierer beworben. Geliefert hat der chinesische Anbieter das Plagiat von Ming Shi. Ming Shi kopiert sowohl den Rasierer als auch die Verpackungskonstruktion inkl. zweier Sichtfenster (übereck / rund) und wirbt wie Merkur mit „Tradition & Design“ (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für Rasierer „Futur 700" Original (links): MERKUR Stahlwaren GmbH & Co. KG, Solingen, Deutschland; Fälschung (rechts): Hersteller: Guangzhou Ming Shi Shaver Ltd., VR China; Vertrieb: Chinesischer Händler über amazon.de Das Plagiat wurde auf Amazon.de in Text und Bild als MERKUR Rasierer beworben. Geliefert hat der chinesische Anbieter das Plagiat von Ming Shi. Ming Shi kopiert sowohl den Rasierer als auch die Verpackungskonstruktion inkl. zweier Sichtfenster (übereck / rund) und wirbt wie Merkur mit „Tradition & Design“ (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für Pendelleuchte „Tilt Globe" Original (links): Nyta UG (haftungsbeschränkt), Karlsruhe, Deutschland; Fälschung (rechts): Licht-Design Skapetze GmbH & Co. KG, Simbach, Deutschland 
Design und Funktion (weitgehend freie Bewegung eines Lampenschirms um ein Leuchtmittel) wurden nahezu 1:1 übernommen, sodass Verwechslungsgefahr mit dem Original besteht. Das niedrigpreisige Plagiat ist in Bezug auf Materialien und Verarbeitung extrem billig und minderwertig. Skapetze bestreitet, dass es sich um ein Plagiat handelt, und weigert sich, den Vertrieb einzustellen (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für Pendelleuchte „Tilt Globe" Original (links): Nyta UG (haftungsbeschränkt), Karlsruhe, Deutschland; Fälschung (rechts): Licht-Design Skapetze GmbH & Co. KG, Simbach, Deutschland Design und Funktion (weitgehend freie Bewegung eines Lampenschirms um ein Leuchtmittel) wurden nahezu 1:1 übernommen, sodass Verwechslungsgefahr mit dem Original besteht. Das niedrigpreisige Plagiat ist in Bezug auf Materialien und Verarbeitung extrem billig und minderwertig. Skapetze bestreitet, dass es sich um ein Plagiat handelt, und weigert sich, den Vertrieb einzustellen (© Aktion Plagiarius e.V.)

  • Plagiarius 2020: Auszeichnung für 3D-Silikon-Backform „Eleganza“ Original (links): SILIKOMART S.r.l., Mellaredo di Pianiga, Italien; Fälschung (rechts): Vertrieb: Chinesischer Händler, der auf Messen und über Amazon verkauft; Versand: über einen weiteren chinesischen Händler Das individuelle, geschützte Produktdesign von Silikomart wurde 1:1 kopiert, der Gesamteindruck von Original und Plagiat ist trotz Größenunterschied identisch. Silikomart verwendet für all seine Produkte hochwertiges, elastisches und flüssiges Rohsilikon – zertifiziert als geeignet für den direkten Lebensmittelkontakt. Das Plagiat ist aus festerem Rohsilikon hergestellt, die Form ist härter. Das Plagiat ist teurer als das Original (© Aktion Plagiarius e.V.)

    Plagiarius 2020: Auszeichnung für 3D-Silikon-Backform „Eleganza“ Original (links): SILIKOMART S.r.l., Mellaredo di Pianiga, Italien; Fälschung (rechts): Vertrieb: Chinesischer Händler, der auf Messen und über Amazon verkauft; Versand: über einen weiteren chinesischen Händler Das individuelle, geschützte Produktdesign von Silikomart wurde 1:1 kopiert, der Gesamteindruck von Original und Plagiat ist trotz Größenunterschied identisch. Silikomart verwendet für all seine Produkte hochwertiges, elastisches und flüssiges Rohsilikon – zertifiziert als geeignet für den direkten Lebensmittelkontakt. Das Plagiat ist aus festerem Rohsilikon hergestellt, die Form ist härter. Das Plagiat ist teurer als das Original (© Aktion Plagiarius e.V.)

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Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den gefürchteten Schmäh-Preis an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Die Auszeichnung sagt nichts darüber aus, ob ein nachgemachtes Produkt im juristischen Sinne erlaubt oder rechtswidrig ist. Ziel der Aktion Plagiarius ist vielmehr, die skrupellosen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren.

Zugleich vermittelt der Verein Unternehmern, KMU und Kreativen die Bedeutung und Wirksamkeit gewerblicher Schutzrechte und ermutigt sie, ihr geistiges Eigentum zu schützen und Nachahmer zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem möchte die Aktion Plagiarius dazu beitragen, dass Konsumenten technischen und kreativen Leistungen mehr Wertschätzung entgegenbringen, indem sie ihnen vor Augen führt, dass die Entwicklung eines Produkts von der ersten Idee über Design, Konstruktion, Zertifizierungen und Prototypenbau bis zur Marktreife viel Zeit, Geld, Know-how, Mut und Innovationskraft kostet.

Gefährliche Nachahmungen

Der alarmierend große Erfolg von Plagiaten hat viele Ursachen. Zunächst den oftmals sehr niedrigen Preis. Keine Frage, jeder freut sich über ein Schnäppchen. Aber billig ist nicht gleich preiswert. Das Tückische: Auf den ersten Blick machen Plagiate einen guten Eindruck. Gleiches Aussehen bedeutet allerdings nicht automatisch die gleiche Qualität, Leistungsfähigkeit und vor allem Sicherheit.

Viele Plagiate und Fälschungen sind nachweislich aus billigen Materialien gefertigt, schlecht verarbeitet und haben nie eine Qualitäts- oder Sicherheitskontrolle durchlaufen. De facto zeigt sich das u.a. in kurzer Lebensdauer, mangelhafter Elektronik und Funktionalität oder sehr hohen Schadstoffbelastungen. Kurzum: Gesundheitsrisiken. Beispielsweise, wenn das Material der vermeintlich harmlosen Rucksackfälschung mit giftigen, krebserregenden Schadstoffen belastet ist oder die gefälschte Sonnenbrille keinen UV-Schutz vor gefährlichen Sonnenstrahlen bietet. Lebensgefährlich wird es bei gefälschten Felgen, Medikamenten, Motorsägen, Beatmungsgeräten etc.

Fehlende Wertschätzung für Originale

Konsumenten messen häufig mit zweierlei Maß: Beim Original fordern sie berechtigterweise faire Herstellungsbedingungen, eine umweltfreundliche, nachhaltige Produktion und garantierte Qualität und Sicherheit. Ein vermeintliches Schnäppchen vor Augen, lösen sich bedauerlicherweise teils schlagartig alle Skrupel in Luft auf, und es wird nicht mehr nach Sozialstandards in den Fälscherwerkstätten gefragt. Die negativen Aspekte sind bekannt, werden aber verdrängt. Mit verblüffender Selbstverständlichkeit werden zudem ständig neue, vielfältige Produkte in höchster Qualität und attraktivem Design gefordert – verfügbar 24/7, geliefert in 24 Stunden und möglichst zum Fast-umsonst-Tarif.

Diese Gratis- und Schnäppchenmentalität birgt große Gefahren und spielt den Fälschern in die Karten: Wer für ein Produkt (fast) nichts bezahlt, der kennt auch nicht dessen realistischen Wert. Folglich können auch keine Wertschätzung und Respekt für die hinter dem Originalprodukt steckende Leistung entstehen. Märkte regeln sich über Angebot und Nachfrage. Somit liegt es in der Verantwortung jedes Verbrauchers, sich bewusst fürs Original zu entscheiden und Fälschern ihre Geschäftsgrundlage zu entziehen.

Die diesjährige Laudatorin, Christiane Nicolaus, Direktorin des Design Center Baden-Württemberg, betonte in ihrer Rede: „Design ist Innovationstreiber, Differenzierungsmerkmal und wirtschaftlicher Erfolgsfaktor – über alle Branchen hinweg. Es ist die Schnittstelle zwischen Produkt und Mensch. Design- und Ingenieurleistung erfordern nicht nur sehr komplexes Fachwissen, sondern auch ein Gespür für Märkte, Trends und wirtschaftliche Machbarkeit. Produktentwicklung kostet Zeit, Geld und Know-how. Innovativen Firmen steht der Lohn für ihre Arbeit zu. Sich inspirieren lassen ist das eine – plumpes Nachahmen zum eigenen Profit, auf Kosten anderer, ist respektlos und unfair.“

Diebstahl geistigen Eigentums

Nachahmer kopieren ungeniert erfolgreich am Markt etablierte Produkte. Die Erscheinungsformen reichen von Designplagiaten über Technologieklau bis zu Markenfälschungen. Verkauft werden die nachgemachten Waren in allen Preis- und Qualitätsabstufungen: Von gefährlichen Billigfälschungen bis zu qualitativ anspruchsvollen Plagiaten, die kaum günstiger oder sogar teurer als das Originalprodukt sind. Die Schäden für die Originalhersteller sind enorm: Umsatzeinbußen, Verlust von Arbeitsplätzen, ungerechtfertigte Imageschäden, mangelnde Erträge für zukünftige Produktentwicklungen.

Globales Problem

Laut EU-Kommission haben die europäischen Zollbehörden 2018 an den EU-Außengrenzen mehr als 27 Mio. rechtsverletzende Produkte mit einem Wert von über 740 Mio. EUR beschlagnahmt. China (inkl. Hong Kong) ist einerseits Herkunftsland Nr. 1 für Fälschungen. Gleichzeitig entwickeln sich viele chinesische Firmen von der verlängerten Werkbank des Westens zu innovativen Mitbewerbern auf den Weltmärkten, die selbst ihre Produkte schützen. In Auftrag gegeben bzw. vertrieben werden Nachahmungen zudem häufig in Industrieländern, u.a. von ideenarmen Mitbewerbern oder ehemaligen Produktions- bzw. Vertriebspartnern. Gezielt prüfen gerade auch westliche Wettbewerber die Existenz gewerblicher Schutzrechte. Sind keine eingetragen, werden Anspruchsdenken und Skrupel über Bord geworfen und fremde Design- und Techniklösungen als eigene Leistung verkauft.

Leichtes Spiel im Internet

Auf namhaften globalen eCommerce-Plattformen werden neben Originalwaren nachweislich auch massenweise rechtswidrige Plagiate und Fälschungen angeboten. Meist von Drittanbietern, die nach Bedarf ihre (Schein-)Identitäten wechseln und sich erfolgreich in der Anonymität des Internets verstecken. Ein lukratives Geschäft ohne (Haftungs-)Risiken, bei dem nebenbei noch die Plattform-Betreiber mitverdienen.

Parallel entstehen immer mehr „Fake-Shops“. Unseriöse Anbieter übernehmen entweder auslaufende Domains bekannter Marken oder registrieren Domainnamen, in denen Markennamen vorkommen. Die Fake-Shops sehen den Webseiten der Markenhersteller täuschend ähnlich. Oft verwenden sie Originalfotos, -bewertungen etc., um die Verbraucher in die Irre zu führen.

Solange es für jedermann weltweit möglich ist, Domains ohne Identitätsprüfung zu registrieren oder sich auf eCommerce-Portalen mit falschen Namen und Adressen anzumelden, werden diese Lücken zu unlauteren Zwecken ausgenutzt werden. Insbesondere beim Kauf im Internet sollten Verbraucher daher genau hinsehen, auf ihren gesunden Menschenverstand hören und nicht voreilig und kritiklos auf „Kaufen“ klicken. (Red.)

Was passiert mit den „überführten" Fälschern?

Bevor die jährlich wechselnde Jury die Preisträger wählt, werden die mutmaßlichen Plagiatoren über ihre Nominierung informiert und erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Neben fallbezogenen Informationen fließen diese Reaktionen, sofern erfolgt, mit in die Bewertung ein. Der Jury geht es nicht darum, legale Wettbewerbsprodukte zu brandmarken. Intention ist vielmehr, plumpe 1:1-Nachahmungen, die dem Originalprodukt bewusst zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus zu rücken.

Erfreulicherweise haben bereits zahlreiche Nachahmer aus Angst vor der Prämierung mit dem „Plagiarius“ eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und beispielsweise Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder ihre Lieferanten offengelegt.


Mediathek

Der Plagiarius-Wettbewerb 2019

Weiterführende Information
  • 11.02.2020

    Preis für Fälschungen

    Meinung

    Kaum ist ein neues Produkt auf dem Markt, schon tauchen auch die ersten Kopien davon auf. Der Schmähpreis Plagiarius rückt das Problem der Produktfälschungen in den Fokus.   mehr

  • 12.02.2019

    Schmäh-Preis kürt dreiste Plagiate und Fälschungen

    Negativ-Preis „Plagiarius“ 2019 vergeben

    Mit dem Negativ-Preis „Plagiarius“ zeichnet die Aktion Plagiarius e.V. besonders dreiste Plagiate und Fälschungen von Markenprodukten aus und rückt dadurch die plumpen und skrupellosen Geschäftspraktiken ins öffentliche Bewusstsein.   mehr

  • 12.02.2018

    Diebstahl geistigen Eigentums

    Die Preisträger des Plagiarius-Wettbewerbs 2018

    Die Gewinner des Negativ-Preises für besonders dreiste Plagiate stehen fest. Auch diesmal sind wieder viele Produkte betroffen, bei denen Kunststoff verarbeitet wird.   mehr

  • 13.02.2017

    Plumpe 1-zu-1-Nachahmungen

    Plagiarius-Wettbewerb 2017

    Auf der Frankfurter Messe „Ambiente“ wurden im Rahmen einer Pressekonferenz die Gewinner des Negativ-Preises Plagiarius offiziell bekannt gegeben.   mehr

Unternehmensinformation

Aktion Plagiarius e.V.

Nersinger Str. 18
DE 89275 Elchingen

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© 123RF.com/Maitree Laipitaksin

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