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08.09.2018

Jede zehnte Stelle in fünf Jahren obsolet

Eine vierstufige Automationswelle rollt auf uns zu

Automation, Roboter, Künstliche Intelligenz – all diese Schlagworte kursieren in der aktuellen Diskussion um die Veränderung der Arbeitswelt. Die Robotic Process Automation (RPA), hat sich in rasantem Tempo etabliert. Drei Viertel der Unternehmen lassen einfache, sich wiederholende Datenverarbeitungsprozesse bereits von Roboterprogrammen erledigen.

Ein Grund dafür dürfte die hohe Zufriedenheit sein: 93 % der befragten Entscheider geben in einer von Horváth & Partners durchgeführten Studie an, ihre Effizienzziele voll erreicht oder sogar übertroffen zu haben. Für die Studie „Next Generation Process Automation“ wurden von Februar bis April 2018 insgesamt 180 Entscheidungsträger aus zwölf Branchen im Wirtschaftsraum D-A-CH befragt. Im Vier-Stufen-Modell auf dem Weg zur intelligenten Prozessautomation, das Horváth & Partners einsetzt, ist RPA allerdings nur die Einstiegstechnologie.

Digitale Assistenten und maschinelles Lernen

Die nächsten zwei Stufen, Cognitive Automation und Digital Assistants, werden sich Horváth zufolge ebenfalls in den nächsten ein bis zwei Jahren etablieren. Derzeit sind sie in etwa jedem dritten Unternehmen im Piloteinsatz oder in Planung.

  • Cognitive Automation bezeichnet Software aus dem Bereich Machine Learning, die in der Lage ist, auch in unstrukturierten und kleineren Datenmengen Muster zu erkennen und entsprechend einem Algorithmus zu verarbeiten, den sie selbst stetig verbessert.
  • Digital Assistants kommen in der Kommunikation mit Menschen zum Einsatz. Sie verarbeiten und nutzen Text oder Sprache und sind darauf trainiert, menschliche Intentionen zu erkennen.

„Die verschiedenen Ausbaustufen von Prozessautomation lösen sich dabei nicht gegenseitig ab, sondern werden in verschiedenen Bereichen eingesetzt“, erklärt Sebastian Ostrowicz, Automationsexperte bei Horváth & Partners.

Systeme übersteigen menschliches Urteilsvermögen

Die höchste und einzige Stufe, bei der man tatsächlich von künstlicher Intelligenz sprechen könne, sind laut Ostrowitz sogenannte Autonomous Agents. Bei dieser intelligenten Prozessautomation verarbeiten komplexe Softwaresysteme Daten unbegrenzter Menge und Art und übernehmen Aufgaben und Entscheidungen, die menschliches Urteilsvermögen übersteigen, etwa beim autonomen Fahren. Der Studie zufolge haben weniger als fünf Prozent der Unternehmen bereits solche Ansätze im Einsatz.

Doch auch die einfacheren digitalen Prozessverarbeitungshelfer der ersten bis dritten Generation werden laut Studie gravierende Auswirkungen auf die Personal- und Aufgabenstrukturen der Unternehmen haben: 11 % der Vollzeitstellen, so schätzen die befragten Entscheider, werden innerhalb der nächsten fünf Jahre durch den fortschreitenden Einsatz von Automationslösungen obsolet. Noch einmal fünf Jahre weiter gehen die Befragten von fast einem Fünftel Stelleneinsparungen aus (18 %).

Unternehmen fürchten Mitarbeiterwiderstand

Diese Aussichten könnten bei der Belegschaft Widerstand hervorrufen: Für 55 % der Befragten ist mangelnde Akzeptanz der Mitarbeiter die größte Herausforderung beim verstärkten Einsatz von Automationslösungen. Dennoch hält die Mehrheit an ihren Plänen fest, Prozessautomation der ersten bis dritten Stufe weiter auszubauen.

In den nächsten Jahren werden die Unternehmen Prozessautomation hauptsächlich dazu nutzen, Personallücken zu füllen, die durch den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel entstehen. „Erst danach wird es spannend, in welchem Ausmaß die Digitalisierung, wie von vielen Experten prophezeit, tatsächlich neue Jobs schafft und ob diese dann auch durch Mitarbeiter ohne Studium oder IT-Kenntnisse übernommen werden können“, meint Ostrowicz.

Digitaler Assistent schafft freie Kapazitäten

Der Experte geht davon aus, dass in wenigen Jahren jedem Büroangestellten ein digitaler Assistent zur Seite steht, der ihm die 80 % Fleißarbeiten wie Datenübertragung, Dokumentation oder Standardkommunikation abnimmt. Die gewonnene Zeit lasse sich für wirklich wertschöpfende Tätigkeiten nutzen, bei denen Know-how und Erfahrung des Angestellten zum Einsatz kommen. In diesem Fall könnte der Mitarbeiter den Roboter als Unterstützer anstatt als Feind wahrnehmen. (ys)

Dieser Artikel ist zuerst auf QZ-online.de erschienen.

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