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30.08.2013

Ausbildungskonzept "Magna Next Generation" bei der MAGNA Exteriors&Interiors GmbH

Spritzgießmaschine für Produktion und Ausbildung bei Magna Exteriors&Interiors Straubing: Hier wird das Rüstzeug für zukünftige Spritzgießer vermittelt und Qualität in einem jederzeit reproduzierbaren Prozess produziert

Um Dinge wirklich zu verändern, muss man neu denken und umdenken. Magna Exteriors&Interiors Straubing erkannte in der Krise 2009, dass man sich mit Sparen an der Ausbildung keinen Gefallen tut. Also überlegten Werkleitung, Personalleitung und Ausbilder am Standort in Straubing, wie eine nachhaltige Ausbildung aussehen könnte. "Magna Next Generation" heißt das ebenso ambitionierte wie praxisnahe Projekt. Wir stießen auf motivierte und engagierte Auszubildende und den technischen Leiter der gewerblichen Ausbildung, Stephan Dütsch, der über ein neues Miteinander der Belegschaft, sowie über Einbindung in die Prozesslandschaft sprach und warum es manchmal auch anstrengend ist, junge Menschen ins Berufsleben zu bringen.

Das Ungewöhnliche am Projekt "Magna Next Generation": Die Auszubildenden arbeiten in einem eigenen Unternehmen. Es werden zwar die Ausbildungsinhalte der IHK abgearbeitet, aber ansonsten ist hier alles anders. Ausgebildet wird in kaufmännischen Berufsbildern und im technischen Bereich, die Berufsbilder "Verfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuk", "Industriemechaniker", "Betriebselektroniker" und "Fachkraft für Systemintegration". Je nach Richtung benötigen die jungen Leute 3 bis 3 ½ Jahre bis zur Abschlussprüfung. Bevor sie dort antreten dürfen, haben sie sich ein enormes, praxisnahes Wissen angeeignet, dies ohne Berührungsängste mit erfahrenen Kollegen aus der Produktion.

Magna Next Generation bedeutet nachhaltiges Ausbilden

Die Auszubildenden arbeiten de facto bei "Magna Next Generation". Alle Funktionen sind mit Auszubildenden besetzt, vom Controlling über den Einkauf bis zur Kunststofffertigung. Die Ausbilder fungieren als Mentoren und moderieren die konkreten Aufgaben. Erledigen müssen dies die jungen Menschen selbst, denn ?sie sollen die Verantwortung spüren, und wenn sie eine Aufgabe erfolgreich meistern, dann ist es auch wirklich ihr Erfolg?, beschreibt Stephan Dütsch einen der Leitgedanken. Das ist kein Spielbetrieb, sondern es liegen konkrete Projekte und Anfragen aus Magna Exteriors&Interiors Straubing vor.

Motivation durch reale Aufgabenstellungen

Das kann eine Aufgabe im Vorrichtungsbau für einen Veredelungsautomaten sein, eine Prüfeinrichtung oder eine, die sich auf Werkzeuge oder Spritzgießtechnik bezieht. Im Tagesgeschäft können es auch konventionelle Dreh-, Fräs- oder Schweißarbeiten sein, die Magna abruft. Magna Exteriors&Interiors Straubing sendet eine Anfrage, die die Auszubildenden in Projektschritte einteilen müssen. Dazu ist ein Lastenheft zu erstellen, um dies dann als Angebot preislich und zeitlich zu bewerten. Der Mutterbetrieb ist für uns, von "Magna Next Generation", ein Kunde. Den gilt es zu überzeugen über Leistung und Preis. Bei uns werden keine abstrakten Musterteile hergestellt, sondern nur Dinge, die wir auch im Produktionsbetrieb einsetzen wollen, sagt Dütsch, ein weiterer Basisgedanke des Projekts ist: Junge Menschen sollen wissen, dass ihre Arbeit wirklich wichtig ist und sie selbst Teil einer Prozesslandschaft sind.

Moderne Betriebsmittel und Praxisnähe machen aus Einrichtern echte Spitzgießer

Ausgangspunkt des 2009 eingeführten Projekts war die Erkenntnis, dass die Ausbildungsinhalte, z.B. die des "Verfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuk" zwar sehr breit waren, aber die Absolventen anschließend in der Produktion zunächst eine Art "Praxisschock" erlebten. Das Wissen reichte oft hinten und vorne nicht, um werkstatttaugliche Lösungen zu erarbeiten. Bei "Magna Next Generation" ist dies nun anders, weil die Auszubildenden durch die Projekte während der gesamten Ausbildung eng mit der Produktion zusammenarbeiten. Über konkrete Projekte werden den Auszubildenden relevante Inhalte betrieblich vermittelt, dort, wo die IHK-Ausbildung an Grenzen stößt. Ein guter Einrichter muss wissen, wie man sensibel mit dem Nachdruck umgeht, um das Teil nicht zu überfüllen und Verzug zu verhindern. Er muss wissen, wie er die Innendrucksensorik nutzen oder über Kurvengrafiken die Zyklen analysieren kann. Mit diesem Rüstzeug kann er sicherstellen, dass er Qualität in einem jederzeit reproduzierbaren Prozess produziert, sagt Dütsch. Daher sind alle Betriebsmittel auf hohem technischen Stand und die hohe Fertigungstiefe und breite in Straubing sind zusätzlich eine gute Basis für die Ausbildung. Erst kürzlich bekam der große Maschinenpark in Straubing eine "kleine" 80 to Spritzgussmaschine als Lehrmaschine für die zukünftigen "Spritzgießer". Die Betriebsstunden der Maschine teilen sich Produktion und Auszubildende. Mit dem Projekt wird versucht, die Auszubildenden für die Aufgaben der Produktion zu begeistern. Wer verantwortlich handeln darf, moderne Betriebsmittel nutzen kann, der wird auch Leistung bringen.

Die Eigenverantwortung des Auszubildenden konsequent fördern

Inzwischen ist der erste Jahrgang komplett nach dem "Magna Next Generation"-Prinzip ausgebildet worden. Die Kollegen in der Fertigung, so Dütsch, sagen, dass die Neuen reifer sind, als die Jahrgänge zuvor. Sie haben ein Gespür für die Zusammenhänge, denken lösungsbezogener und kennen sich in der Produktionspraxis aus. Die hohe Eigenverantwortung macht sie stärker und die Motivation ist ohnehin heute viel besser, erklärt Dütsch nicht ohne Stolz. Natürlich gibt er zu, dass dieser Weg für die Ausbilder deutlich anspruchsvoller ist. Tag für Tag wollen die Auszubildenden Neues entdecken und sie haben viele Fragen. Eigenverantwortung fordert von Schülern und Ausbildern deutlich mehr, als die konventionelle Ausbildungspraxis, sagt Dütsch.

Thorsten Spieß, Redaktion Hanser Karriere Channel Business Portale
thorsten.spiess <AT> hanser.de

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