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10.08.2017

Geisternetzen ein Ende setzen

Kunststoffmüll aus dem Meer entsorgen

Der WWF Deutschland arbeitet zusammen mit dem Recyclingunternehmen Tönsmeier, Porta Westfalica“ derzeit intensiv am Projekt "Geisternetze". Ziel ist es, die Ostsee von herrenlosen Fischereinetzen aus Kunststoff zu befreien. Die Ostsee ist ein verhältnismäßig kleines Meer. Damit eignet es sich ideal, um relativ schnell ein Verfahren zu entwickeln, Geisternetze zu bergen, aufzubereiten, zu verwerten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse auf andere, größere Weltmeere zu übertragen.

Erprobt wird die umweltschonende Wiederverwertung der Netze aus Polypropylen und Polyamid. Dazu wurde die Vecoplan AG, Bad Marienberg, mit ans Bord geholt, um für das eingesammelte Material einen optimalen Prozess zu finden, der es transportiert, aufbereitet und verwertet. „Unsere Aufgabe war es, im hauseigenen Technologiezentrum nach Möglichkeiten zu suchen, die Netze werkstofflich zu verwerten", sagt Vecoplan-Projektleiter Ulf Kramer.

  • Geisternetze können sich schon seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund befinden und für die Umwelt eine Gefahr darstellen. Doch sie lassen sich recyceln (© Vecoplan)

    Geisternetze können sich schon seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund befinden und für die Umwelt eine Gefahr darstellen. Doch sie lassen sich recyceln (© Vecoplan)

  • Allerhand Fremdstoffe haben sich im Lauf der Jahre darin verfangen (© Vecoplan)

    Allerhand Fremdstoffe haben sich im Lauf der Jahre darin verfangen (© Vecoplan)

  • Von Hand werden die Netze vorsortiert. In einer der Fraktionen befinden sich feine Stellnetze (© Vecoplan)

    Von Hand werden die Netze vorsortiert. In einer der Fraktionen befinden sich feine Stellnetze (© Vecoplan)

  • Im Technologiezentrum von Vecoplan wird das Material aufbereitet. Dazu kommt der Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 M XL mit HiTorc-Antrieb zum Einsatz (© Vecoplan)

    Im Technologiezentrum von Vecoplan wird das Material aufbereitet. Dazu kommt der Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 M XL mit HiTorc-Antrieb zum Einsatz (© Vecoplan)

  • Die Maschine wurde mit einem U-Rotor konfiguriert (© Vecoplan)

    Die Maschine wurde mit einem U-Rotor konfiguriert (© Vecoplan)

  • Das Schwimm-Sink-Verfahren trennt beispielsweise schweren Sand von den leichten Kunststoff-Partikeln (© Vecoplan)

    Das Schwimm-Sink-Verfahren trennt beispielsweise schweren Sand von den leichten Kunststoff-Partikeln (© Vecoplan)

  • Wenn sich die schweren von den leichten Partikeln lösen, sieht dies unter Wasser so aus (© Vecoplan)

    Wenn sich die schweren von den leichten Partikeln lösen, sieht dies unter Wasser so aus (© Vecoplan)

  • Das PP und PA6 lässt sich dann von der Wasseroberfläche abschöpfen und kann dem Waschverfahren zugeführt werden (© Vecoplan)

    Das PP und PA6 lässt sich dann von der Wasseroberfläche abschöpfen und kann dem Waschverfahren zugeführt werden (© Vecoplan)

  • Zerkleinert und gewaschen – das recycelte Material kann sich sehen lassen (© Vecoplan)

    Zerkleinert und gewaschen – das recycelte Material kann sich sehen lassen (© Vecoplan)

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Netze, Stellnetze oder Taue?

An der Ostsee bei Saßnitz konnten die Projektpartner rund 450 kg Material vom Meeresgrund bergen und in Big-Bags zu Vecoplan transportieren. Es enthielt viele Fremdstoffe, die sich in den Netzen verfangen hatten: 14 kg Altmetall wie Anker, Ketten oder Rohre, 37 kg Steine und Geröll, 21 kg Muscheln, 4 kg Textilien und Schuhe und 20 kg Holz. Von Hand wurde das Material in grobe Netze, feine Stellnetze und feste Taue eingeteilt.

Um herauszufinden, welche Prozess- und Verfahrensschritte möglich und effektiv sind, wurden die vorsortierten Fraktionen verschiedenen Versuchen unterzogen. „Die Zerkleinerung hat problemlos funktioniert“, sagt Ulf Kramer. Vecoplan setzte für diesen wichtigen ersten Schritt des Aufbereitungsprozesses den Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 M XL mit einem 110 Kilowatt HiTorc-Antrieb ein. Die Maschine wurde mit einem U-Rotor und einer Sieblochung von 20 mm Durchmesser konfiguriert.

Die schweren Partikel lösen sich von den leichten

Das zerkleinerte, noch stark verschmutzte Netzmaterial wurde nach Magnetscheidung in Big-Bags aufgefangen und im nächsten Schritt nach dem Schwimm-Sink-Verfahren weiter sortiert. Dabei trennt sich durch unterschiedliche Dichten in den Becken beispielsweise der schwere Sand von den leichten Kunststoff-Partikeln. „Da sich Sand, Schlamm und im Netz eingearbeitete Bleigewichte absetzen, lässt sich das PP und PA6 von der Wasseroberfläche abschöpfen und nach einem zweiten Wasserbad separat dem Waschverfahren zuführen“, beschreibt Falk Schneider, Promovierender der University of Bath, der das Projekt im Auftrag des WWF wissenschaftlich begleitet.

Das zerkleinerte und nach Dichte getrennte Material wurde aus den Big-Bags in den Trichter der Aufgabeschnecke der Waschanlage gefüllt. Nun begann der Prozess des Reinigens: Das Material wird während des Waschvorgangs aufgefasert und liegt nach der Friktionsbeanspruchung als freie Fasern vor. Das entwässerte Produkt wird in Big-Bags gefördert. In einer Produktionsanlage würde sich stattdessen eine Trocknung anschließen. „Visuell konnten wir für uns nach diesen Versuchen einen guten Wascherfolg feststellen. Die exakten Reinheitswerte werden noch von verschiedenen Universitäten in Laboren exakt untersucht“, erläutert Ulf Kramer mit Blick auf das gewonnene Material.

Das Recyceln und die wertstoffliche Rückführung der Kunststofffasern in den Prozess stehen damit noch auf dem Prüfstand. „In meiner Doktorarbeit, die auf diesen Versuchen aufbaut, wird der Prozess aus Sicht der Ökologie und der Ökonomie beschrieben“, berichtet Falk Schneider. „Wir wissen jetzt, dass es die Möglichkeit gibt, Geisternetze wieder aufzubereiten. Die Frage ist nur: Wie wirtschaftlich ist dies?“ Dazu wird es bald detaillierte Antworten geben. (Red)

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