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23.02.2018

Verpackungen für die Bedürfnisse der Welt

Von unverpackt über rigide bis zu flexibel

Tradition, Kultur, Gewohnheit, Ökonomie und Klima nehmen Einfluss darauf, was wir essen und welche Medikamente wir einnehmen. Aber auch darauf, wie diese Produkte verpackt sind.

Bei Verpackungen gibt es teilweise signifikante Unterschiede in verschiedenen Ländern oder auf Kontinenten. Je nach Region oder Klimazone unterscheiden sich die Ansprüche, um die jeweiligen Produkte sicher und funktionell verpacken zu können.

„Einerseits müssen die unterschiedlichen Produkte und ihre Verpackungen verschiedenste Anforderungen erfüllen“, sagt Alexander Baumgartner, CEO von Constantia Flexibles. „Andererseits fordern die Anbieter, insbesondere die von Markenprodukten, sich von Konkurrenzprodukten bestmöglich im Regal zu unterscheiden.“ Hier spielt die Verpackung eine wesentliche Rolle.

Global geht die Tendenz in den letzten Jahrzehnten hin zu flexiblen Verpackungen. Sie können beinahe an jede klimatische oder kulturelle Anforderung sowie jeden Kundenwunsch angepasst werden – mit effizienter und umweltschonender Materialnutzung. Dieser Trend hat sich aber nicht von heute auf morgen entwickelt.

Formstabil oder in Beuteln?

Nachdem Produkte lange Zeit gar nicht oder zumindest nicht individuell verpackt worden sind, haben sich Verpackungen von rigiden, also formstabilen Verpackungen wie Glas, hin zu flexiblen Formen entwickelt.

Aber diese Entwicklung verlief oder verläuft nicht in jedem Land auf dieselbe Weise, sagt Nikolaus Wolfram, Senior Vice President Corporate Development, Innovation & Marketing bei Constantia Flexibles: „Europa ist hier eigentlich noch recht altmodisch. Während die Tendenz von unverpackt zu verpackt in Entwicklungsländern oder auch in Russland gleich hin zu flexiblen Verpackungen geht, werden in Europa für gewisse Produkte nach wie vor formstabile Materialien vom Konsumenten bevorzugt.“

Beispiel Ketchup: In Russland wird Ketchup hauptsächlich in flexiblen Beuteln oder auch kleinen Portionsverpackungen verkauft, in Europa sind Ketchup-Tuben aus Kunststoff oder Glasflaschen wesentlich häufiger. Ähnliches gilt für Kindernahrung.

USA: Tabletten aus der Flasche

Blister-Verpackungen: Obwohl weltweit verbreitet, werden in den USA Tabletten meist in Glas- oder Plastikflaschen verkauft (© Constantia Flexibles)

Ein weiteres Beispiel für die verschiedenen Konsumentengewohnheiten bietet die Pharmaindustrie: Blister-Verpackungen – also Sichtverpackungen mit einer Aluminiumfolie als Rückwand – sind für die Verpackung von Tabletten weltweit gängig, nur die USA bilden eine Ausnahme.

In den Vereinigten Staaten werden Tabletten meist in Glas- oder Plastikflaschen verkauft, obwohl Blister-Verpackungen hygienischer und sicherer wären. Das liegt, laut Wolfram, auch am System der Medikamentenausgabe in den USA: „Zum Beispiel werden Tabletten in verschiedenen Mengen verschrieben, diese werden dann vom Apotheker abgezählt und in Glas- oder Plastikflaschen ausgegeben. Dieses System gibt es im Prinzip nirgendwo sonst auf der Welt.“

Ein weiterer Grund sind die erwähnten Gewohnheiten der Verbraucher. Gerade bei Medikamenten lassen sich Neuerungen nur schwer durchsetzen. Dies liegt zum einen an aufwendigen Qualifizierungsverfahren für Neuverpackungen, zum anderen vertrauen Konsumenten im Gesundheitsbereich eher bekannten Verpackungsformen. Hier ist die Experimentierfreudigkeit des Menschen deutlich geringer als bei Nahrungsmitteln.

Indien: Portionsweise verpackt

Aber auch ökonomische Gründe können die Vorliebe für eine bestimmte Verpackungsform beeinflussen. Eine sehr interessante Entwicklung in Bezug auf Verpackungen ist derzeit in Indien zu beobachten. Während im ganzen Land noch keine, beziehungsweise nur industrielle Verpackungen wie Großsäcke gängig sind, geht der Trend bei Konsumenten hin zu Portionsverpackungen.

Erklären lässt sich diese Entwicklung durch ökonomische Bedingungen: Viele Arbeitnehmer in Indien werden tageweise bezahlt. Große Mengen einzukaufen, ist mit diesen Geldbeträgen nicht möglich. Waren, die eine Verpackung benötigen, wie Shampoos, werden daher oft als Einzelportionen angeboten.

Wenn die Chips-Tüte in Mexiko-Stadt platzt

Drucksensible Verpackung: Eine Chips-Tüte könnte aufgrund des niedrigen Luftdrucks in extremen Hochlagen platzen, wenn sie in niedrigen Lagen abgefüllt wurde (© Constantia Flexibles)

Ganz unabhängig von menschlichen Bedürfnissen erfordert auch die Natur spezielle Verpackungen, weil die jeweiligen klimatischen Verhältnisse in einem Land zu berücksichtigen sind. So müssen in tropischen Gebieten mit feuchter Luft Barriere-Eigenschaften anders ausgelegt sein, um die Produkte vor Feuchtigkeit und Nässe zu schützen, als in Ländern mit einem eher trockenen, kalten Klima.

Auch extreme Höhenunterschiede spielen eine Rolle: Nehmen wir zum Beispiel eine Chips-Tüte. In Mexiko muss diese andere Eigenschaften aufweisen, als in den USA, da viele auch stark bewohnte Gebiete wie Mexiko-Stadt über 2000 Meter über dem Meeresspiegel liegen. „Eine Chips-Tüte, die für den US-amerikanischen Markt hergestellt wurde, könnte in dieser Höhe aufgrund des unterschiedlichen Luftdrucks platzen“, erklärt Nikolaus Wolfram.

Online-Shopping und die Folgen

Aktuelle Verpackungstrends gestalten sich in verschiedenen Ländern beziehungsweise Kontinenten unterschiedlich. In Asien und hier vor allem auch in Indien, wird verstärkt auf das Recycling von Verpackungen gesetzt. Gesellschaft und Politik gleichermaßen fordern die nachhaltige Wiederverwertbarkeit in einer Dynamik, die in Europa nicht in gleichem Ausmaß zu finden ist, obwohl der Nachhaltigkeitstrend im Verpackungsbereich in Europa seinen Anfang genommen hat.

Besonders in Ländern, in denen Onlineshopping an Beliebtheit zunimmt, stellt sich auch die Frage nach der zukünftigen Rolle von Verpackungen. Derzeit müssen sie noch vor allem für das Regal im Supermarkt geeignet und dort gut sichtbar sein, damit sie Kunden zum Kauf bewegen. Die Kaufentscheidung verläuft bei Onlineshops jedoch nicht mehr über die Verpackung, sondern eher über Onlinewerbemaßnahmen, wie Videos. Während im Online-Handel die Verpackung in der Kaufentscheidung eine untergeordnete Rolle spielt, wird das Erlebnis im Moment des Öffnens möglicherweise wichtiger werden und Verpackungsformate verändern. (ys)

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