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18.01.2017

Im besten Alter

Flüchtlinge werden als zukünftige Kunststofffachkräfte qualifiziert

Es wird immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs für die offenen Ausbildungsstellen in der Kunststoffindustrie zu bekommen. Gleichzeitig kommen viele junge, motivierte Menschen aus Krisengebieten zu uns und wünschen sich eine sinnvolle Beschäftigung. Ein Selbstläufer ist das nicht, aber es gibt Grund zur Hoffnung.

Erfolgreiches Pilotprojekt in Lüdenscheid: Elf Teilnehmer wurden in Betriebspraktika vermittelt (© Kunststoff-Institut Lüdenscheid)

Arbeitgeber in der Kunststoffindustrie müssen sich massiv engagieren, ihren Bedarf an Fachkräften zu decken. Verbände wie pro-K bieten bereits Seminare an, die Unternehmen Strategien zum Ausbildungsmarketing – Schüler für die kunststoffverarbeitende Industrie anzuwerben – vermitteln. Gerade auch unter dem Aspekt, dass es sich um eine anspruchsvolle Generation handelt, die mehr als einen Job sucht.

Parallel zu dieser Entwicklung flüchten viele junge Menschen mit nur einem großen Ziel zu uns: sich ein neues, sinnerfülltes Leben in Sicherheit und Freiheit aufzubauen. Dazu gehört eine sinnvolle Beschäftigung, noch besser: ein Beruf. Die meisten Flüchtlinge sind dabei hochmotiviert; allein fehlende Sprachkenntnisse und bürokratische Hürden halten sie davon ab, eine Beschäftigung auszuüben bzw. eine Ausbildung anzutreten.

Sprachtraining und Praktikum

Das Polymer Training Centre des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid hat im Mai 2016 ein Pilotprojekt zur Integration von Flüchtlingen und Migranten in die Kunststoffindustrie in Südwestfalen gestartet. Mit der Bundesagentur für Arbeit, dem Jobcenter Märkischer Kreis und den ESO-Sprachschulen wurde ein Projekt gestartet, das Asylbewerbern in zwei Phasen eine Qualifizierung bot, um in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden oder einen Ausbildungsvertrag zu erhalten.

Wege ins Berufsleben für die Absolventen des zweiphasigen Projektes „Fachkräftegewinnung für die Kunststoffindustrie durch Qualifikation von Flüchtlingen und Migranten“; EQJ: Einstiegsqualifizierungsjahr, AsA: Assistierte Ausbildung, BaE: Außerbetriebliche Berufsausbildung (© Kunststoff-Institut Lüdenscheid)

Die erste Phase bestand aus einem achtwöchigen Sprachtraining, in dem die Sprachschule v. a. den in technischen Berufen üblichen Fachjargon vermittelte. Eine allgemeine Sprachausbildung hatten die Teilnehmer bereits vorher absolviert und damit ein Kompetenzniveau von A2 (grundlegende Kenntnisse) oder B1 (fortgeschrittene Sprachverwendung) als Ausgangsbasis im Gepäck. In einer ebenfalls achtwöchigen zweiten Phase folgte ein Praxistraining. Trainer des Kunststoff-Instituts Lüdenscheid vermittelten Grundlagen des Spritzgießens und damit zusammenhängender Themen (siehe Grafik).

Im Rahmen einer Veranstaltung des Netzwerks kunststoffland NRW zog Dr. Andreas Balster, Leiter des Polymer Training Centre am Kunststoff-Institut Lüdenscheid, im Herbst 2016 ein positives Resümee des Pilotvorhabens: Von den 13 Teilnehmern zu Beginn der zweiten Phase (Titelbild) konnten auf Anhieb elf in Betriebspraktika vermittelt werden, die bis Ende des Jahres liefen. Die beiden anderen Teilnehmer seien in Kontakt mit Unternehmen und ebenfalls auf einem guten Weg in eine Zukunft in der Kunststoffindustrie. Bei den Praktika wurde laut den Verantwortlichen Wert daraufgelegt, dass die Unternehmen auch die Perspektive auf eine feste Stelle oder wenigstens einen Ausbildungsplatz ab Herbst bieten.

Das erfolgreiche Projekt geht indessen weiter. Seit 9. Januar 2017 wird eine weitere Gruppe von Asylbewerbern unterrichtet. Durch ihren frühen Start im Kalenderjahr werden die Teilnehmer dieser Gruppe – im Gegensatz zur Premierengruppe – rechtzeitig vor Beginn des nächsten Ausbildungsjahres ihren Kurs absolviert haben und sich nahtlos für eine Ausbildung bewerben können.

Praxisratgeber

Neben Instituten und Verbänden engagieren sich auch einzelne Firmen bei der Qualifizierung von Flüchtlingen. Die Friedhelm Loh Group hat bereits Anfang 2015 als eines der ersten deutschen Unternehmen ein Pilotprojekt zur Qualifizierung von Flüchtlingen gestartet. Angetrieben hat die Verantwortlichen der Fachkräftemangel; aber auch das nach eigener Aussage stark ausgeprägte Wertesystem mit dem Wunsch, etwas Gutes zu tun, waren Auslöser für das Engagement.

Ratgeber aus der Praxis: Die Erfahrungen der Friedhelm Loh Group sind in diese Broschüre geflossen (© Friedhelm Loh Stiftung)

Ratgeber aus der Praxis: Die Erfahrungen der Friedhelm Loh Group sind in diese Broschüre geflossen (© Friedhelm Loh Stiftung)

Die Initiative war auf Anhieb erfolgreich: Vier Flüchtlinge in Mittelhessen haben eine Ausbildungsstelle bei Rittal erhalten, der größten Tochtergesellschaft der Friedhelm Loh Group. Motiviert durch den Erfolg und die positiven Erfahrungen auf beiden Seiten hat das Unternehmen einen Ratgeber veröffentlicht. Der kostenlose und als Download verfügbare, 15 Seiten lange Katalog [1] soll weitere Ausbildungsbetriebe motivieren und dabei unterstützen, eigene Projekte zur Integration zu starten.

Für die eigenen Aktivitäten hat das Unternehmen ambitionierte Ziele. Zukünftig soll die Quote der Flüchtlinge unter den gewerblich-technischen Auszubildenden im Unternehmen bei 10 % liegen, so Inhaber und Vorstandsvorsitzender Dr. Friedhelm Loh: "Das Berufsleben bietet die beste Möglichkeit der gesellschaftlichen Integration. Arbeit ist wesentlicher Teil eines sinnerfüllten Lebens. Nur durch sie können Menschen ihr Know-how unter Beweis stellen, sich eine Existenz aufbauen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten."

Fazit

Die beschriebenen Pilotprojekte sollen und werden anderen Regionen und Branchen als Vorbild dienen, Nachwuchs zu sichern und dabei gleichzeitig gesellschaftliche Integration voranzutreiben. Dass die Integrationsprojekte immer reibungslos verlaufen, kann und wird niemand erwarten. Es wird Widerstände gegen Flüchtlinge in der eigenen Belegschaft geben, Flüchtlinge werden während laufender Projekte abgeschoben werden, benötigte Deutschkurse für kleine Gruppen nicht zu Stande kommen. Aber die laufenden Aktivitäten zeigen: Wenn alle durchhalten, können alle profitieren.

Dr. Nadine Warkotsch, freie Journalistin in der Kunststoffindustrie

Weiterführende Information
  • 23.01.2017

    Treffen der Vereinsplattform Qualifikation

    Speed Datings gegen Fachkräftemangel

    Der Fachkräftemangel in der Kunststoffindustrie ist ein Thema, das die Vereinsplattform Qualifikation des kunststofflands NRW, seine Mitglieder und viele andere schon lange beschäftigt - besonders auch im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Migranten.   mehr

  • 08.11.2016

    Wie aus Flüchtlingen Fachkräfte werden

    Friedhelm Loh Group veröffentlicht Ratgeber

    Über eine Million Flüchtlinge sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen. Die meisten von ihnen sind zwischen 18 und 25 Jahren – im besten Alter für die Integration durch eine Berufsausbildung oder Qualifizierung.   mehr

  • "Best Practice" für gelungene Integration in der Industrie
    Kunststoffe 06/2016, Seite 3

    "Best Practice" für gelungene Integration in der Industrie

    Editorial

    Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen. Nein, Stacheldraht und (demnächst vielleicht noch) Selbstschussanlagen tun es auch, um...   mehr

  • 17.05.2016

    Ausbildungsmaßnahme am Kunststoff-Institut

    Flüchtlinge und Migranten werden in die Kunststoff-Industrie integriert

    Die Integration der in den letzten Monaten zu uns geflüchteten Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Der Qualifizierung der Neuankömmlinge für ihre Einbettung in den Arbeitsmarkt kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.   mehr

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