![]() |
Interview mit dem Autor von Thorsten Spieß , 28. Oktober 2008
Auch Unternehmen bleiben nicht ungeschoren: Wenn wichtige Mitarbeiter oder gar Führungskräfte im Internet unter Beschuss geraten, kann das in kürzester Zeit den mühsam aufgebauten Ruf des ganzen Unternehmens ruinieren. Der Schaden geht in die Milliarden. Wir trafen uns mit dem Autor Klaus Eck, dessen Buch "Karrierefalle Internet" Ratschläge & Verhaltensstrategien zum Reputationsmanagement gibt. Thorsten Spieß: Herr Eck, Ihr Buch ist nun knapp 3 Wochen auf dem Markt. Gab es schon Reaktionen, z. Bsp. auf der Buchmesse in Frankfurt? Klaus Eck: Mit dem ersten Feedback bin ich ganz zufrieden. Ich bin gespannt, wie das Thema in Human Ressources, in der PR und Marketing besprochen wird. TS: Gibt es einen Schutz der Privatsphäre im Internet? KE: Meine Grundthese ist: "Es gibt keine Privatsphäre im Netz!" Mit anderen Worten, man kann dort nicht schützen. Man muss sich selber einfach besser darstellen! Die Mechanismen sind leicht auszurechnen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man seine Darstellung durch bestimmte Aktionen stark beeinflussen kann und Negativergebnisse in den Hintergrund schiebt. Jeder sollte sich selbst bewegen und es nicht der Medienöffentlichkeit überlassen, was man primär im Netz über sich erfährt. TS: Eigeninitiative ist also gefordert… KE: Ja. Schauen Sie sich doch mal Ihre eigenen Suchgewohnheiten an: Sie suchen nach etwas im Netz und finden unzählige Einträge. Wie weit schauen Sie jetzt? In der Regel betrachtet jeder nur die ersten zwei oder drei Ergebnis-Seiten auf Google? Nur wenige Menschen nehmen sich die Zeit, tiefer zu recherchieren. TS: Was hat Sie dazu motiviert, dieses Buch zu schreiben? KE: Ich arbeite als Kommunikationsberater und Reputation Manager für Unternehmen und führe viele an das Thema Online-Kommunikation heran. In meinen Workshops zeigt sich, dass viele Mitarbeiter keine großen Erfahrungen mit Netzwerken, Blogs und ähnlichen Dingen haben und sogar Angst davor haben, damit umzugehen. Ich will sie motivieren, sich mit diesen Dingen zu befassen. Für die Unternehmen ist es immer besser, Mitarbeiter zu haben, die in Netzwerken denken und arbeiten. Das Buch ist dazu gedacht, es auch in Unternehmen für die Schulung der Mitarbeiter einzusetzen. TS: Kontakte sind tatsächlich sehr wichtig. Ich habe mich erst vor kurzem selbstständig gemacht und mein Netzwerk, das ich mir in den letzten Jahren aufgebaut habe, hat die Sache sehr erleichtert. KE: Ganz klar! Das Networking nimmt eine immer größere Bedeutung ein. Sie fangen heute als Digital Native schon im Schulalter an, Netzwerke aufzubauen. Und das ist sehr wichtig. TS: Sie laden oft zu Arbeitsfrühstücken ein. Das wird ja nicht mehr per E-Mail gemacht, sondern bei Ihnen per Blog, Twitter und Xing. Wie relevant ist dieser Bereich? KE: Früher habe ich in der Tat mit Newslettern gearbeitet. Ich habe aber gemerkt, dass es sehr viel effizienter ist, im Netzwerk zu arbeiten. Man bringt so eine passende Klientel zusammen. Es kann vorher auf Xing jeder sehen, wer zu einem Social Web Breakfast kommt. TS: Ist das Reputationsmanagement Ihrer Meinung nach branchenabhängig? KE: Nein, aber es gibt natürlich unterschiedliche Tempi, in denen sich die Branchen mit den Themen auseinandersetzen. In der Marketing-Branche arbeiten sehr viele Leute mit Xing. Dort ist auch Facebook schon bekannt. Aber in manch anderer Branche wie z.B. der Kunststoff-Branche oder dem Maschinenbau ist das eher unbekannt. TS: Sind denn die unterschiedlichen Branchen im Netz zusammen zu bringen oder gibt es dort eine klare Trennung? KE: Das hängt von den Menschen selber ab. Natürlich finden Sie auf Xing verstärkt Werber oder Journalisten. Das muss sich entwickeln. Es ist nicht die Frage, ob und wann es in den Industriebranchen losgeht, sondern vielmehr wo dies passiert. Welches Netzwerk schließlich für welche Branche in Frage kommt hängt auch davon ab, wie Facebook hierzulande angenommen wird. Xing hat im Business-Bereich eine sehr gute Positionierung in Deutschland, aber international spielt Facebook eine viel größere Rolle. TS: Wie sieht es mit der Sicherheit aus? Man könnte sich ja einen Account mit gefälschten Daten erstellen… KE: Bei Xing geht das nicht. Solche Accounts werden sehr schnell gelöscht. Es kommt immer mal wieder vor, das sich eine Fernsehfigur wie Bernd Stromberg anmeldet. Aber da greifen die Mechanismen der Plattform sehr schnell und führen zur Löschung des Accounts. Es gibt einen ganz klaren Trend weg von der Anonymität und hin zur Pflege der Online-Identität. Nur wer sich zu erkennen gibt, kann online richtige Netzwerke aufbauen. TS: Sollte man sich bei verschiedenen Communities anmelden? Nach dem Motto: "Je mehr desto besser". KE: Das hängt natürlich davon ab, was man beruflich erreichen will. Man sollte immer dort präsent sein, wo die eigenen, relevanten Zielgruppen sind, mit denen man arbeitet. Man sieht aber auch, dass man gefunden wird, wenn man nur auf einer Plattform angemeldet ist. TS: Vielen Dank für dieses sehr informative Gespräch Herr Eck. 23.01.2009
|
|
![]() |
![]() |
| © 2010 by Carl Hanser Verlag |






